Den Auftakt der europäischen Prüfungs-Wochen für den 1. FC Union bildete der Kick gegen Bayer Leverkusen am vergangenen Wochenende. Foto: Matthias Koch

Am Donnerstag hatte Unions Trainer Urs Fischer einen Pflichttermin mit seinem Fernseher. Doch dabei legte der Schweizer nicht genüsslich die Beine hoch und machte sich es mit einer Tüte Chips vorm Pantoffelkino gemütlich. Nein, Arbeit war angesagt. Denn er wollte den montäglichen Gegner Frankfurt sezieren, der sich ja im internationalen Geschäft mit dem FC Salzburg auseinandersetzen musste und die Ösis 4:1 putzte. Erkenntnis: Hui, sind die gut drauf!

„Fünf Tore gegen Augsburg, vier gegen Salzburg. Die muss man erst einmal machen“, meinte der kürzlich 54 Jahre jung gewordene Fußballlehrer, der nach dem Kick der Maintracht in Bingewatching machen konnte und sich auch noch hinterher des VfL Wolfsburg gegen den schwedischen Vizemeister Malmö FF reinziehen konnte.

Auch wenn Fischer eigentlich nur von Spiel zu Spiel denkt, sind die Niedersachsen ja der übernächste Gegner. Warum also nicht das Angenehme mit dem Nützlichen gleich verbinde? Eben!

Seltsam anmutende Ansetzungsreihenfolge des Fußballgotts

Es ist schon kurios. Ohne in der Tabelle nach oben Kontakt zu haben zu den Plätzen, die das internationale Geschäft verheißen – wer das jemals im Verlauf der Vorrunde ernsthaft postuliert hat, musste echt mit dem Klammerbeutel gepudert worden sein –, steckt Union als Aufsteiger derzeit ganz tief drin in den Europapokal-Wochen. Der Startschuss fiel letztes Wochenende mit der Partie gegen Bayer Leverkusen (2:3). Teil zwei folgt nun am Montag mit der Eintracht, dann kommen die Wölfe.

Selbst der Kick danach im Pokal-Viertelfinale beschert den Eisernen mit dem Auftritt bei der Werkself erneut einen Europa-League-Starter. Alle drei Euro-Fighter-Teams hintereinander ist schon eine etwas seltsam anmutende Ansetzungsreihenfolge des Fußballgottes. Mehr geht ja auch nicht, da Gladbach schon ausgeschieden ist. Union, so kann man also mit Fug und Recht behaupten, steht also vor der europäischen Reifeprüfung.

„Wir haben gegen Leverkusen sehr viel richtig gemacht“

Oder ist es vielleicht sogar umgekehrt? Stehen diese international agierenden Klubs vielleicht vor ihrer eisernen Reifeprüfung? Denn für die kontinentalen Kicker sind diese Spiele ja auch Zusatzbelastung im Liga-Alltag. Und Fakt ist ja auch, dass Union derzeit nicht ganz einfach zu bespielen ist. „Spaß gemacht hat das nicht“, hatte ja schon Bayers Trainer Peter Bosz nach dem glücklichen 3:2-Erfolg in der Vorwoche zugegeben.

„Wir haben gegen Leverkusen sehr viel richtig gemacht. Daran gilt es anzuknüpfen. Wir wissen um die Schwere der Aufgabe, aber der stellen wir uns“, meinte denn auch Union-Trainer Urs Fischer gestern und klang dabei nicht so, als ob er sich nicht auch am Main etwas ausrechnen würde.

Denn die Eisernen haben ja mit ihrem 2:0-Auftritt in Bremen vor zwei Wochen gezeigt, dass sie an ihrer Auswärtsschwäche gearbeitet haben.