Feierende Anhänger von Maccabi Haifa im Olympiastadion. City-Press/Matthias Renner

Bitterer Nachgeschmack eines tollen Fußballfests: Beim Spiel zwischen dem 1. FC Union gegen Maccabi Haifa (3:0) soll es laut dem Jungen Forum Deutsch-Israelische Gesellschaft (JuFoDig Berlin) zu rassistischen und antisemitischen Vorfällen gekommen sein. Auf Twitter wurde der Vorwurf erhoben, dass es auf der Haupttribüne zu Bierbecherwürfen gekommen und versucht worden sei, eine Israel-Fahne anzuzünden. 

Dem Eingreifen von Zivilpolizisten sei es zu verdanken, dass die Situation nicht eskalierte. Die JuFo DIG Berlin wies auch ausdrücklich darauf hin, dass mehrere Unioner versucht hätten, das zu unterbinden. „Es gab auch Union-Fans, die sich gegen dieses Verhalten ausgesprochen haben. Wir sind sicherheitshalber in den Maccabi-Block gewechselt“, heißt es in einem weiteren Tweet.

In den sozialen Netzwerken wurden diese hirnlosen Idioten eindeutig verurteilt. Auch Union reagierte prompt und bat via Twitter um Meldung des betroffenen Bereichs. Bei den personalisierten Tickets sollte es kein größeres Problem sein, den oder die Schuldigen ausfindig zu machen und entsprechend zu bestrafen. Stadionverbote, Vereinsausschluss stehen im Raum. Eine Strafanzeige – vorerst gegen Unbekannt – wird auch nicht lange auf sich warten lassen. 

So wird ein ganzer Verein von Einzeltätern in Verruf gebracht

Es ist traurig, dass einige wenige Ewiggestrige und Unbelehrbare eine solche Veranstaltung nutzen, um ihre widerliche Weltanschauung nach außen zu tragen und damit einen ganzen Verein in Verruf bringen. Einzeltäter, sicherlich! Aber egal, wie klein der Prozentsatz ist, so ein Verhalten gehört geächtet. Und darüber kann es keine zwei Meinungen geben.

Nach dem Spiel hatten israelische Journalisten sich ausdrücklich für die Gastfreundschaft und den Umgang mit ihnen bedankt. Ya'akov Shachar, der 80-Jährige Präsident von Maccabi, habe wegen Corona seit zwei Jahren kein Spiel seiner Mannschaft auswärts besucht. Nun habe er erstmals seit der Pandemie Deutschland besucht, um bei dem allerersten Spiel einer israelischen Mannschaft in dem von den Nazis erbauten Stadion zu erleben. Ein sehr emotionaler Moment für den israelischen Geschäftsmann, dem es aus dem „geschichtlichen Aspekt“ her nicht leicht gefallen sei, nach Berlin zu reisen, berichtete ein israelischer Reporter.

Unions Pressesprecher Christian Arbeit hatte das erste Heimspiel der Köpenicker im neu geschaffenen Wettbewerb schon vor dem Anpfiff als ein „Fest der Begegnung“ geadelt und sich über all die gemeinsamen Aktivitäten, die sich tagsüber mit Maccabi und Vertretern des jüdischen Lebens in der Stadt ergeben hatten, gefreut. Nicht fehlen durfte dabei ein Ausflug in die eigentliche Heimstätte der Eisernen. Im feinen Zwirn posierten die Delegationen beider Vereine auf dem Rasen des Stadions An der Alten Försterei für ein Foto, hielten einen Fanschal mit den Wappen beider Vereine und dem Logo der Trophäe dieses europäischen Wettbewerbs in den Händen.

Die Eisernen haben inzwischen ausführlich Stellung genommen zu den Vorfällen: „Dieses Verhalten ist beschämend und nicht tolerierbar. Wir bitten die Betroffenen um Entschuldigung. Antisemitismus ist leider in unserer Gesellschaft nach wie vor vorhanden, deshalb zeigt er sich auch im Stadion. Diskriminierung werden wir in unseren Reihen jedoch nie dulden. Es gilt wachsam zu bleiben und unermüdlich dagegen anzugehen. Wir unterstützen die Ermittlungen der Polizei mit allen uns zur Verfügung stehenden Informationsquellen“,  wird Unions Präsident Dirk Zingler auf der Homepage des Klubs zitiert.

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