Sympathieträger in Köpenick: Union-Trainer Urs Fischer. Foto: imago images/Matthias Koch

Es knistert zwischen den beiden Fanlagern. Aber das Warten hat ein Ende: Das Berliner Derby zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union (Freitag, 20.30 Uhr) steht an und ist auch ein Duell zwischen Bruno Labbadia (54) und Urs Fischer (54). Der KURIER wirft vor der Stadtmeisterschaft einen genauen Blick auf die beiden Cheftrainer.

Menschenfänger

Stellen Sie sich vor, ein charismatischer Baumarkt-Mitarbeiter legt Ihnen nahe, ihre ganze Wohnung ganz einfach grau zu streichen – und Sie finden die Idee vorzüglich. In etwa so lässt sich der Einfluss von Urs Fischer auf den 1. FC Union erklären. Mit seiner völlig unaufgeregten Art hat es der Schweizer geschafft, Fußball-Phrasen wie „von Spiel zu Spiel schauen“ mit Leben zu füllen. Nach nur wenigen Monaten sprachen auch alle im Umfeld der Eisernen davon, dass es „schlussendlich“ keine schlechte Idee sei, keine großen Ziele – den Aufstieg in die Bundesliga, den Klassenerhalt im Oberhaus – lautstark zu formulieren, sondern lieber abzuwarten, was die Zeit oder eben das jeweils nächste Spiel bringt. Die Spieler haben diese Einstellung ohnehin völlig verinnerlicht.

Spielerkarriere

Für den Spieler Urs Fischer gab es immer nur anderthalb Vereine: den FC St. Gallen, bei dem er seinen Durchbruch als Profi feierte und 243 Spiele absolvierte. Vor allem aber den FC Zürich, dessen Trikot er in seiner Jugend und später in 302 Pflichtspielen trug. Über den FCZ sagt Fischer noch heute, dass er sein Herz an den Klub verloren habe.

Trainerphilosophie

Ein kleines bisschen hat es Urs Fischer gekränkt, dass man ihm im ersten Bundesliga-Jahr der Eisernen vorwarf, er würde bevorzugt Anti-Fußball spielen lassen, eine beinharte Defensive und schnelle, lange Bälle auf baumlange Angreifer. Fußball wie aus den Neunzigern. Tatsächlich war Fischer stets ein Verfechter des ästhetischen Kombinationsspiels, bevorzugt in einem variablen System aus vier Verteidigern, drei Mittelfeldspielern und drei Angreifern. Nur stehen für den Schweizer die Qualitäten der Spieler im Vordergrund und nicht seine eigenen Wünsche, weshalb er den Eisernen eben die Spielweise mit auf den Weg gibt, die die Spieler am besten umsetzen können. 

Hobby

Urs Fischer liebt das Angeln. Beziehungsweise das Fliegenfischen, die wahrscheinlich schwerste Form des Angelns. Hier kann er abschalten, seine Gedanken fließen lassen und zu neuen Kräften kommen. Zudem nutzt er die Natur seiner Schweizer Heimat gerne für ausgedehnte Wanderungen. Überhaupt ist der Trainer der Eisernen ein Naturmensch, der es gerne einfach und schnörkellos mag.

Familie

Wenig ist über die Familie Fischer bekannt. Wann immer es die Zeit erlaubt, reist Fischer nach Hause zu seiner Frau Sandra. Zudem hat er zwei Töchter. Riana Fischer spielt aktiv Fußball beim FC Zürich, Chiara hat es eher der Reitsport angetan. Im Sommer betonte Fischer, wie sehr ihm seine Familie in den schweren Corona-Zeiten, in denen er nicht regelmäßig in die Schweiz reisen kann, fehle.

Derby-Expertise

Als Trainer des FC Zürich traf Fischer achtmal auf die Grasshoppers Zürich, gewann dabei fünf Partien und verlor drei. Im Jahr 2011 siegte Fischer FCZ gar mit 6:0. Und auch beim ersten Berliner Derby konnte der Schweizer einen Sieg bejubeln, ehe das Rückspiel mit 0:4 mächtig in die Hose ging.