Noch ist der Weg zu einer wieder ausverkauften Alten Försterei weit. Am Sonnabend gegen Nürnberg dürfen immerhin schon wieder 5000 Fans ins Stadion. Foto: imago images/Contrast

Vorhang auf, für die große Bühne. Der Fußball kehrt zurück in die Alte Försterei. Der 1. FC Union empfängt am Sonnabend den Zweitligisten 1. FC Nürnberg (17.30 Uhr). Es ist eine Generalprobe der doppelten Art. Denn erstens steigt in einer Woche mit dem Pokalspiel in Karlsruhe der Pflichtspielauftakt der Spielzeit 20/21 für die Köpenicker. Und zweitens kehren erstmals die wegen der Pandemie seit Mitte März ausgeschlossenen Zuschauer zurück in ihr Wohnzimmer.

Nicht alle natürlich. Ausverkauft geht ja nicht. Auch wenn Union in den letzten Wochen nichts unversucht ließ, um mit einem eigenen Präventivtest-Konzept den Weg zu einer vollen Bühne zu bahnen. Aber immerhin knapp 5000 Besucher werden zu diesem Kick erwartet. Das ist nicht mal ein Viertel des offiziellen Fassungsvermögens und auch nur möglich, weil die Köpenicker in Testspielen auf Stehplätze zurückgreifen können, was die DFL in Ligapartien ja untersagt. Unwillkürlich möchte man anstimmen: Hurra, das ganze Dorf ist da!

Um zu schauen, wann die Eisernen das letzte Mal vor so einer kleinen Kulisse antreten mussten, muss man schon weit zurückgehen. In der Spielzeit 2007/08 wollten im November 2007 nur 4113 Besucher dem 4:3 gegen den VfB Lübeck beiwohnen. Schon im Jahr drauf in der 3. Liga hatte keine Partie weniger als mindestens 5000 Besucher. Und von da an ging es nur noch steil nach oben.

Mit dem Club schließt sich ein Kreis

Der Hunger auf Fußball ist riesig.  Die Eisernen hätten in ihrem Losverfahren weit mehr als 5000 Karten absetzen können. Und auch wenn das ganze Prozedere einen leichten Beigeschmack hatte – unbegleiteten Minderjährigen wurde auch bei Losglück so der Weg in die Alte Försterei de facto verwehrt –, es ist der erste Schritt zurück in eine Normalität, die Corona bislang verwehrt hatte. Und damit auch ein Test, was künftig möglich ist.

Wer nicht live dabei sein kann, dem bleibt immerhin noch die kostenlose Übertragung auf der Homepage der Köpenicker bei Af.tv. „Wir hoffen, dass ein Stück weit Normalität reinkommt. Da kommen Emotionen von der Tribüne zurück. Das können wir als Mannschaft aufsaugen“, freut sich Mittelfeldmann Grischa Prömel auf die Rückkehr der Fans.

Dass sich die Köpenicker zu ihrem Stadion-Geburtstagsspiel ausgerechnet einen ins Mittelmaß abgerutschten Traditionsklub wie Nürnberg einladen und nicht einen echten Kracher, hat natürlich seinen Grund. Exakt 100 Jahre ist es her, dass die Franken als amtierender Deutscher Meister das Ballhaus des Ostens einweihten. Und da Tradition bei den Eisernen großgeschrieben wird, soll sich mit diesem Kick quasi ein Kreis schließen.