Die Kraft, die von der Bank kommt: Kevin Behrens (r.) und Sheraldo Becker bejubeln das 1:0 gegen Bielefeld.  Foto: City-Press/Matthias Renner

Man kann es als Zufall abtun. Oder mal genauer hinschauen. Die letzten drei Tore der Eisernen wurden allesamt von Jokern erzielt. In Prag beim 1:3 erzielte Kevin Behrens den zwischenzeitlichen Ausgleich, in Dortmund beim 2:4 sorgte Andreas Voglsammer für erneute Spannung mit dem 2:3-Anschlusstreffer. Am Wochenende war Behrens sogar der Siegtreffer vorbehalten beim 1:0 (0:0) gegen Arminia Bielefeld.

Regelmäßig sorgt Trainer Urs Fischer für viel Schwung mit seinen Kräften von der Bank, mit denen er ja nicht nur frisches Personal bringt, sondern oft auch die Taktik ändern kann. Union setzt offenbar auch auf die zweite Welle, um zum Erfolg zu kommen. Auch wenn es nicht immer ganz zum gewünschten Ergebnis führt. Der Übungsleiter hat offenbar Gefallen an den Möglichkeiten gefunden, die ihm die Pandemie beschert hat. 

„Vielleicht ist das etwas Gutes aus Corona. Es  ermöglicht dem Trainer ein bisschen mehr Spielraum. Auch für die Jungs ist das ja besser. Jetzt kannst fünf Spieler bei Laune halten und nicht mehr nur drei. Das ist umso schöner für alle“,  gab Fischer denn auch zu. Eine Ansicht, die der Schatzmeister übrigens nicht zwingend teilen muss. Mehr Kicker bedeutet ja auch mehr auszuzahlende Prämien im Erfolgsfalle. Aber lassen wir das. 

Ein Viertel aller acht Ligatreffer der Eisernen wurde von Jokern erzielt. Im Europacup sind es sogar 40 Prozent der bisherigen fünf Tore. Zudem glänzten die Bankdrücker in vier Fällen als Vorbereiter. Voglsammer, der sich mit seinen Leistungen zuvor als Joker („Daran hatte ich in Bielefeld nicht so viel Gefallen gefunden“) einen Startelfplatz gegen die Arminia verdient hatte, wurde daher auch von Fischer gelobt. 

Entscheidend ist, wenn man reinkommt

Urs Fischer über den Frust der Bankdrücker

„Solange die Kraft bei Vogi da war,  hat er immer wieder provoziert und gearbeitet. Wenn du Spieler auf der Bank hast, die brennen, um reinzukommen, ist das schön“, so Fischer, der natürlich weiß, dass die Jungs immer spielen wollen. „Natürlich sind sie unzufrieden, wenn sie auf der Bank sitzen. Da ballen sie die Faust im Sack, logisch. Aber als Trainer kannst du es nie allen recht machen. Entscheidend ist, wenn man reinkommt“, so Fischer zu seiner Wechselpolitik.

Die trug auch beim Siegtor Früchte. Das übrigens nach Prag nun schon zum zweiten Mal von Sheraldo Becker aufgelegt wurde für Behrens. „Kevin hat ein tolles Tor gemacht. Er hat viel aufgewendet und war sofort im Spiel. Das wünscht sich ein Trainer“, freute sich Fischer über den späten, aber nicht unverdienten Dreier gegen die Arminia. Wahrscheinlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Behrens sich wie zuvor Voglsammer auch mal einen Platz in der Anfangsformation erobert. 

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