Kein Brett vor dem Kopf, aber den Ball: Unions Robert Andrich war der Pechvogel. Ihn zum Sündenbock zu machen, geht aber gar nicht.  Foto: dpa/Uwe Anspach

Dortmund patzt, Stuttgart kriegt in München auf den Deckel. Fehlt nur noch, dass Hertha BSC am Sonntag Leverkusen das Fell über die Ohren zieht. Dann könnte sich jeder nach dem 26. Spieltag  hinstellen und mit dem Finger auf Union zeigen: Ihr seid zu doof. So leichtfertig gibt man doch die Chance auf die Champions League nicht her!

Oberflächlich betrachtet könnte man solchen Kritikern recht geben. Aber es geht an der Wahrheit ein Stückchen vorbei. Denn die Eisernen haben am Main kein schlechtes Spiel abgeliefert. Das 2:5 fiel viel zu hoch aus. Alle Spieldaten stimmten. Die Laufleistung: 123,47 km zu 121,06 km. Die Torschüsse: 25:9 (!!). Ecken: 4:2. Mit 79 Fehlpässen zwei weniger als die Hausherren. Selbst die Zweikampfquote war ausgeglichen. 

Häme ist fehl am Platze

Doch in Frankfurt gewinnt man nicht so einfach im Vorbeigehen. 13 Spiele ohne Niederlage in dieser Saison sprechen da eine deutliche Sprache. Und ja doch, Königklasse, natürlich hatte ich mir vor diesem Wochenende auch gewünscht, dass Union da noch mal angreifen kann. Ist dann halt nicht mehr! Na und? Noch mal in Zeitlupe: Das wäre Bonus gewesen, nicht das erklärte Saisonziel!

Das was einen ärgern kann, ist, dass Union das Spiel leichtfertig weggegeben hat. In nicht mal sechs Minuten. Sie waren dem zweiten Treffer näher als die Macht vom Main, als Robert Andrich der Fauxpas unterlief. Und hier geht es jetzt nicht darum, ihm den schwarzen Peter zuzuschieben. Denn eigentlich war der 26-Jährige ganz gut unterwegs in der Partie. Und hämisch vom Eigentor des Jahres zu sprechen und zu höhnen, Union holt seinen ersten Titel, wie die Gazette mit den vier Buchstaben, das gehört sich einfach nicht. 

Eiserner Blackout

Was sich Union vorwerfen lassen muss, ist der Total-Blackout nach dem 1:2. Man muss bei der Klasse der Eisernen dazu in der Lage sein, das wegzustecken und sich in die Pause zu retten und dann zu sehen, was noch geht.