Thomas Müller und seine Bayern (l.) hatten beim 1. FC Union wenig zu lachen, Christopher Trimmel und Kollegen waren dem Sieg näher als der große Favorit.  Foto: imgao images/Oliver Behrendt

Es ist noch gar nicht so lange her, da gerierten sich einige einschlägige Gazetten als Apologeten des drohenden Untergangs und fragten genussvoll danach, ob Union jetzt abstürzen werde. Die Eisernen hatten ihre erste Saisonniederlage seit langem kassiert – zugegeben, eine schmerzhafte im Derby – und ein hammerhartes Programm vor der Brust. Bayern, Dortmund, dazu die kecken Stuttgarter. Union rangiere nur deshalb so weit oben, weil die Köpenicker ja noch nicht gegen die Großen der Liga hätten antreten müssen, hieß es. 

So weit, so gut. Und weit gefehlt. Denn die Kicker des 1. FC Union verweigerten sich jeglicher Bangemacherei, spielten stur ihren Stiefel runter und dachten nur von Spiel zu Spiel. So wie jetzt Urs Fischer, den vor dem Kick gegen Leverkusen nicht die Bohne interessiert, dass in den Partien danach ebenso große Kaliber à la Leipzig und Gladbach warten. 

Ignoriert wurde bei der Absturz-Prämisse die Tatsache, dass Union seine beiden einzigen Saisonniederlagen gegen Teams aus der unteren Hälfte des Tabellentableaus kassiert hat: gegen Hertha – und gegen Augsburg am ersten Spieltag. Da kann so etwas immer mal passieren. Egal, wer da der Gegner ist. Gegen alle Teams aus den Top Neun sind die Eisernen ungeschlagen. Als einzige Mannschaft der Liga übrigens. 

Union auf Platz 4

Diese Tatsache allein ist es schon wert, noch einmal etwas näher beleuchtet zu werden. Was böte sich da besser an, als ein Ranking der ersten neun nur unter sich? Das zugegebenermaßen noch etwas hinkt, weil nicht alle Klubs gegen die anderen acht schon gespielt haben. Und doch zeichnet sich ein interessantes Bild ab. 

Dort liegen die Bayern nach sieben Spielen mit einem Torverhältnis von 18:11 Treffern und 14 Zählern klar vorne. Es folgen Dortmund (7/16:7/13) und Gladbach (8/14:16/10). Wobei die Fohlen als einziges Team aus der oberen Tabellenhälfte schon alle acht Duelle mit den Großen hinter sich haben. 

Und schon auf Rang vier präsentiert sich die Fischer-Elf. Sie holten aus sechs Partien gegen die Top Neun immerhin acht Zähler bei 11:9 Toren. Beachtlich. Denn sie verloren ja keine einzige davon! 

Eiserne haben Potenzial

Dahinter kommen die punktgleichen Leverkusener (6 Spiele, 11:10 Tore), gefolgt von Wolfsburg (7/7:9/7) und Frankfurt (7/11:16/7). Erstaunlicherweise ist der aktuelle Tabellenzweite Leipzig hier Vorletzter (6/9:9/6). Freiburg hingegen kommt nur auf magere drei Zähler (6 Spiele/6:15 Tore) in den Duellen mit den Top-Teams der Liga. 

Alles eng beieinander und halt noch nicht komplett. Und zum Teil ist so eine Wertung ja auch volatil. Vor nicht wenigen Wochen fanden sich ja auch die Stuttgarter viel weiter oben wieder. Umgekehrt blüht Freiburg nach seiner jüngsten Serie auf. Interessant zu sehen ist dennoch, dass Leipzig nur deshalb in der Liga so marschiert, weil sie die Aufgaben gegen die Kleinen mit Bravour bewältigen.

Grundsätzlich zeigt das Ganze aber, dass für Union jedes Spiel zwar eine Aufgabe ist. Aber sie sich hinter keinem verstecken müssen. Die Frage muss also nicht lauten, ob Union irgendwann abstürzt, sondern eher, wie lange sie erfolgreich die Großen so richtig ärgern können. Dass sie das Potenzial dafür haben, scheint hingegen klar.