Oliver Ruhnert stellt der Mannschaft Neuzugang Keita Endo vor. Matthias Koch

Es war einer der entspannteren Tage für Oliver Ruhnert im Trainingslager am Scharmützelsee. Die Neuzugänge Nummer vier (Nico Schlotterbeck) und fünf (Cedric Teuchert) mischten erstmals auf dem grünen Rasen mit. Wobei der Bruder von Keven Schlotterbeck ein wenig dosierter agierte, weil Freiburg noch nicht richtig in die Vorbereitung eingestiegen war. Wichtiger aber war, dass Neuzugang Nummer drei, Keita Endo, ebenfalls zu den Eisernen hinzugestoßen ist.

Etwas unrund stieg der japanische Flügelflitzer gegen 10.45 Uhr am Sportplatz von Eintracht Reichenwalde aus dem Kleinbus. Normal bei einer leichten Zerrung. Wenig später wurde er den künftigen Kollegen vorgestellt, die ihn artig im Kreis mit Applaus bedachten, ehe er den Rest des Trainings weiter von der Seitenlinie aus verfolgte. Am Ende musste er dann auch bei den Fans seine ersten Autogramme in Deutschland geben.

Endo benutzt schon ein paar Brocken Deutsch

Ein Transfer, bei dem man Ruhnert anmerkte, dass er ihn für vielversprechend hält. „Wo immer man sich in Japan unterhält, wird Endo als eines der verheißungsvollsten, jungen Talente gehandelt. Wir müssen ihm jetzt die Zeit geben, sich zu akklimatisieren und einzugewöhnen. Das wird etwas dauern. Aber bei einem Shinji Kagawa hat man im ersten Moment in Dortmund auch nicht sofort bemerkt, dass er ein künftiger Superstar ist“, so Ruhnert.

Endo wird jetzt zwei Wochen von seinem Berater Thomas Kroth begleitet. Zudem ist ein Dolmetscher an seiner Seite, der sich auch in fußballspezifischen Dingen auskennt. „Er versucht auch schon kleinere Brocken Deutsch zu nutzen“, zeigte sich Ruhnert erfreut über die gelungene Verpflichtung des 22-Jährigen, die erhebliche Wachstumsphantasie mit beinhaltet und Union, genauso wie Ausrüster Adidas in Fernost Aufmerksamkeit bescheren wird. „Diesen Transfer wegen Corona nicht zu tätigen, wäre ein viel höheres Risiko gewesen, weil es ein sehr guter Deal für Union ist.“

Auch mit den anderen Transferbemühungen ist Ruhnert zufrieden. „Wir sind auf einem guten Weg. In einigen Tagen bin ich vielleicht noch schlauer. Wir haben da einige Dinge im Auge. Aber Stand jetzt ist es nicht der Kader, mit dem wir in die Saison gehen werden“, kündigte der 48-Jährige noch weitere Aktivitäten auf dem Transfermarkt an. In beide Richtungen übrigens.

Zugänge sollen also noch kommen. Abgänge wird es geben. Nicolai Rapp bastelte in den letzten Tagen an einer Verlängerung seiner Leihe mit Darmstadt. Union will ihn eher nicht komplett abgeben. Auch bei Lennart Moser ist das der Fall, der derzeit an einer leichteren Form des Pfeifferschen Drüsenfiebers erkrankt ist. Ob mit dem Slowaken von Dunajska Streda ein Leihgeschäft oder ein Transfer mit Rückkaufoption ausgehandelt wird, ist noch offen. „Wir wollen ihn auf jeden Fall weiterhin im Auge behalten“, so Ruhnert.

Wenn ihm etwas Sorgen bereitet, dann ist es eher der Gesundheitszustand von Markus Ingvartsen. Der konnte am Sonnabend zusammen mit Anthony Ujah nur einige Übungen auf dem Spinningrad neben dem Platz machen, dazu ein bisschen Arbeit mit den Fitnesstrainern.„Wir wissen nicht genau, was er hat, das sind unspezifische Problem“, so Ruhnert, der jetzt die Tage zählt, bis die Option bei dem mit einem Magen-Darm-Virus flach liegenden Sebastian Andersson verstreicht, nach der der den Klub für rund 5 Millionen Euro verlasen könnte. Mitte August wäre das. Das hätte Union im Vor-Corona-Transferfenster rund zwei Wochen Zeit gelassen, einen Nachfolger zu verpflichten. Sollte der Schwede also nicht in den nächsten Tagen avisieren, dass er gehen will, wäre Union in der Lage ihn zu behalten. Oder deutlich mehr Kohle herauszuschlagen.