Co-Trainer Sebastian Boenig, Cheftrainer  Urs Fischer und Union-Legende Torsten Mattuschka feierten 2019 den Aufstieg mit einer Bootsfahrt auf der Spree. Imago

Nicht immer hatte es Torsten Mattuschka (40) leicht mit den Trainern. Trotz seiner Klasse musste der einstige Kapitän den einen oder anderen Tiefschlag wegstecken, ob am Anfang seiner Karriere in Cottbus beim unerbittlichen Eduard Geyer oder später auch beim 1. FC Union, für den er in 299 Pflichtspielen allein 23 Elfmeter verwandelte. Inzwischen hat Tusche selbst die Trainerlaufbahn eingeschlagen, ist Assistent von Karsten Heine bei Regionalligist VSG Altglienicke und guckt deswegen ganz genau hin, wie Urs Fischer die Sache mit den Eisernen wuppt. Der Eindruck: ziemlich grandios. Deshalb gibt es von Tusche einen Tusch für den Super-Coach.

Torsten Mattuschka mag Urs Fischers Ecken und Kanten

„Natürlich ist es sensationell, was die Mannschaft Woche für Woche und Spiel für Spiel abgerufen hat“, schwärmt Mattuschka von der Saison, „es ist der glatte Wahnsinn, in diesem Feld 50 Punkte zu holen.“ Aber Tusche, in der Alten Försterei in der Ära vor Christopher Trimmel „Herr der ruhenden Bälle“, möchte dabei keinen Spieler hervorheben. Nicht den Ösi-Kapitän, nicht den oft überragenden Max Kruse, nicht den exzellenten Schlussmann Andreas Luthe, denn: „Das wäre unangemessen. Für mich war die Mannschaft überragend.“

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Damit kommt vor allem der Coach ins Spiel. „Der Trainer hat einen großen Kader großartig moderiert“, findet Mattuschka, der mittlerweile aus eigener Erfahrung weiß, dass das durchaus eine Kunst ist. „Außerdem ist er einer“, sagt die rot-weiße Mittelfeld-Legende, „der jeden Spieler besser machen kann.“ Das allein aber ist es trotzdem nicht, was Tusche am Schweizer so sehr mag, sondern: „Er eckt auch an, er sagt seine Meinung, aber er steht dazu und er begründet es. Er ist einfach ein guter Typ.“

Torsten Mattuschka will die Kirche in Köpenick lassen

Andererseits wäre Tusche nicht Tusche, würde er als Trainer nicht auch eine andere Seite des Wahnsinns-Erfolges sehen. So sehr er sich über das Erreichen von Europa („So ein internationaler Wettbewerb hat Strahlkraft“) freut, auch darüber, dass Max Kruse „sehr gut integriert wurde“ und letztlich auch, dass es „trotz vieler Verletzungen personell immer geklappt hat“, am liebsten möchte er die Euphorie ein wenig dämpfen. „Die Messlatte liegt hoch“, sagt er, „sehr hoch. Wir sollten uns alle freuen und alles genießen. Trotzdem sollten wir die Kirche im Dorf lassen. Denn es war eine maximale Saison und ein unfassbar gutes Spieljahr. Klar wünscht sich jetzt jeder, dass die nächste Saison wieder so laufen möge. Aber das wird schwer.“

Ein wenig wünscht sich das auch Mattuschka, natürlich. Doch trotz Europa hat die Legende, wenn es um die Eisernen geht, einen anderen (zweigeteilten) Herzenswunsch: „Am meisten habe ich mich darüber gefreut, dass die Truppe souverän die Klasse gehalten hat. Das wünsche ich mir erneut, damit Union sich in der Bundesliga etabliert und eine wirklich feste Größe wird. Noch doller aber freue ich mich darauf, dass die Fans ins Stadion dürfen und die Bude wieder voll wird.“ 

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