Max Kruse - hier im Zweikampf mit Hoffenheims Kevin Akpoguma - erzielte gegen seinen Lieblingsgegner   schon sein achtes Tor in 16 Spielen.  Foto: Uwe Anspach/dpa

Es gab mal eine Zeit in den 90er-Jahren, da gab es einen in Fan-Kreisen beliebten Schal, mit dem die Köpenicker sich selbstironisch als unaufsteigbar auf den Arm nahmen. Vielleicht sollte die Marketing-Abteilung von Union über ein Rebranding nachdenken und einen Unabsteigbar-Schal auflegen. Denn mit dem 3:1 (0:0) in Hoffenheim, also da, wo der FC Bayern mit 1:4 unterging, sicherten sich die Köpenicker die nächsten drei Zähler für den Klassenerhalt.

Urs Fischer hatte seine Elf mächtig umgekrempelt. Zum Teil verletzungsbedingt. Christopher Trimmel und Marcus Ingvartsen mussten ganz passen. Aber Unions Trainer stellte auch taktisch um, spiegelte Hoffenheims Dreierkette und verzichtete auf Sheraldo Becker und Joel Pohjanpalo. Dafür rückten Florian Hübner hinten in die Dreierkette ein, Julian Ryerson und Sebastian Griesbeck ins Mittelfeld, sowie Taiwo Awoniyi als zweite Sturmspitze neben Max Kruse in die Startelf.

Der Plan, aus einer geordneten Defensive Nadelstiche zu setzen, war deutlich zu erkennen. Schon vor der Pause hätte Awoniyi dreimal die Hoffenheimer aus ihren Träumen reißen können (10./21./25.). Doch der junge Nigerianer, der die TSG-Abwehr vor einige Rätsel stellte, war bei seinen Aktionen ein wenig zu überhastet. Auch Griesbeck hätte bei einem Kopfball die Berliner Herzen höher schlagen lassen können (40.).

Wenn das eine rote Karte ist, gibt es ja nur noch rote Karten

Hoffenheims Florian Grillitsch

Auf der Gegenseite hatten die Eisernen auch das benötigte Glück, dass Dabbur bei einer Doppelchance zunächst Andreas Luthe überwand, dann aber Robin Knoche auf der Line zur Stelle war (15.) und später Belfodil bei einer scharfen Hereingabe nur das Außennetz traf (56.) und Dabbur noch einmal mit einem Kopfball an Luthe scheiterte (45.+2).

Torlos ging es in die Pause und nach Wiederanpfiff bestimmten die Gäste zunehmend das Spiel. Auf einmal gab es Elfmeter, weil Skov Griesbeck mit einem Stoß in den Rücken zu Fall brachte. Rot für den Dänen, wohl etwas zu hart und Strafstoß für Union. Kruse traf gegen seinen Lieblingsgegner zum achten Mal in 16 Spielen. 1:0 nach 60 Minuten! Und Griesbeck war hinterher sehr ehrlich: „Wie ich die Regel im Kopf habe, wenn man nicht zum Ball geht, gibt es diese Doppelbestrafung trotzdem noch. Ob das jetzt Sinn macht oder nicht, vielleicht ist es ein bisschen zu hart, aber in diesem Spiel beschwere ich mich jetzt mal nicht.“

Stachelte die Hausherren an. Die über die Doppelbestrafung sehr empört waren, wie Florian Grillitsch sich empörte: „Schauen sie sich mal den Griesbeck an, der ist 1,90m und hat sicher 85 Kilo und da ist eine Berührung auf der Schulter und der fliegt. Okay den Elfmeter kann man geben, aber wenn das eine rote Karte ist, gibt es ja nur noch rote Karten.“ Mit Wut im Bauch versuchten sie das Blatte zu wenden. So einfach wollten sie sich nicht abkochen lassen. Und siehe da: Dabbur macht das 1:1 (80.).

Kruse mit einem Treffer und zwei Vorlagen

Vor dem Spiel wären die Eisernen mit einer Punkteteilung sicher zufrieden gewesen. Aber in Überzahl lässt man sich ungern noch die Butter vom Brot nehmen. Also nachgesetzt. Und  auf einmal war Superjoker Pohjanpalo im Zentrum des Geschehens. Schön frei gespielt von Kruse und es stand 2:1 für die Eisernen, auch wenn der Treffer zunächst als Eigentor von TSG-Keeper Baumann gewertet wurde. Am Ende setzte Cedric Teuchert mit dem 3:1 den Schlusspunkt (90.+4).

Matchwinner Kruse mit einem Treffer und zwei Vorlagen so etwas wie der Mann des Tages war am Ende hochzufrieden: „Das wir einen guten Tag brauchen war klar, wir hatten aber in der ersten Halbzeit schon zwei, drei Tormöglichkeiten, können aber auch eins kriegen. So geht es mit einem Unentschieden in die Halbzeit. Dann kommt uns natürlich die rote Karte und der Elfmeter entgegen, nichtsdestotrotz kann es natürlich auch ärgerlich sein, dass wir dann das 1:1 kriegen. Im Endeffekt haben wir dann die Chancen vorne gut ausgespielt und in den entscheidenden Momenten getroffen.“