Loris Karius hielt mit einer Glanzparade in der Nachspielzeit den Eisernen einen Punkt fest. Foto: Imago/Oliver Behrendt

„Kopfschmerzen und ein weiterer Punkt.“ So nüchtern und sachlich kann man die Ereignisse vom 1:1 zwischen dem 1.FC Union und Borussia Mönchengladbach wohl nur zusammenfassen, wenn man Andreas Luthe heißt und selbst ein Chuck Norris sich Mühe geben muss, an die Coolness des eisernen Keepers heranzukommen. 

Das, was sich da zwischen Minute 65 und 69 im Stadion an der Alten Försterei angespielt hatte, hatte durchaus Potenzial, die Herzschlagfrequenz beim Beobachter in bedenkliche Höhen zu treiben. Beim Versuch, einen Ball im Strafraum zu klären, landete Luthes Schädel erst an Thurams Oberschenkel und fand dann in Robin Knoches Hüfte einen weiteren Prellbock. Minutenlang blieb der 33-Jährige benommen am Boden liegen, wurde dann ausgetauscht gegen Loris Karius, weil ihm leicht schwindelig war. 

Das Punktspieldebüt für die Liverpooler Leihgabe, der bislang nur beim Pokal-Aus gegen Paderborn (2:3) das eiserne Tor hüten durfte und sich an der Wuhle mit der unerwarteten Rolle als Nummer zwei hinter Luthe zufrieden geben musste. 

Dank einer Glanzparade in der Eckballflut der Nachspielzeit, als er einen Kopfball von Thuram noch glänzend aus dem Winkel fischte, sorgte er dann sogar dafür, dass Luthe sich mehr über den Punkt freuen konnte als über seinen Brummschädel ärgern. „Es ist nicht ganz einfach, gerade bei den Temperaturen. Als Torwart läufst du dich auch nicht warm. Im Normalfall wirst du nicht gebraucht“, zeigte sich Karius am Ende recht zufrieden mit dem Spielausgang und seinem Beitrag dazu. 

Weniger zufrieden war er mit der Rolle, die er in dem vergangenen Halbjahr in Köpenick spielte. „Es ist nicht mein Anspruch, ich sehe mich hier schon ganz klar im Tor. Ich kam spät dazu, dann wurden die ersten zwei Spiele für Andi gewertet. Seitdem haben wir fast kein Spiel verloren. Schon extrem bitter für mich. Für die Mannschaft war es ein Top-Lauf. Ich bin trotzdem zuversichtlich, dass ich meine Einsätze bekomme. Ich glaube, das hätte ich verdient.“

Fischer sieht keine Towartdebatte

Aussagen, für die sein Trainer nicht nur Verständnis hat, sondern sie fast erwartet. Denn ohne diesen sportlichen Ehrgeiz wäre man sicherlich irgendwie fehl am Platze. „Natürlich ist Loris nicht ganz zufrieden mit seiner Situation, aber er akzeptiert seine Rolle und macht das aus meiner Sicht gut, auch wenn es ihm nicht so gefällt“, so Fischer. 

Wie es nun weitergeht? Wie lange Luthe, der  nochmal medizinisch untersucht wird, ausfällt, wird sich zeigen. Die ersten Anzeichen deuten nicht auf eine längere Pause hin. Also könnte Karius wohl in Mainz an alter Wirkungsstätte noch mal sein Können zeigen und dann wieder den Gang auf die Ersatzbank antreten. Aus all dem jetzt gar eine neue Torwartdebatte zu machen, erschloss sich Fischer nicht. Luthe bleibt für ihn weiterhin die Nummer 1. 

Denn um in der Sprache des eingangs erwähnten Chuck Norris zu bleiben: Luthe lässt ja keine Gegentore zu, er legt fest, wann er sie dem Gegner gestattet.