Loris Karius feierte gegen den SC Paderborn ein enttäuschendes Debüt. Foto: imago images/Contrast

Hätte Loris Karius im Pokalspiel gegen den SC Paderborn nicht sein Pflichtspieldebüt für die Eisernen gegeben, wäre sein Schicksal in Köpenick wohl entschieden gewesen. Zu enttäuscht war der namhafte Torhüter, die Leihgabe des FC Liverpool, über seine Situation. Eigentlich war der 27-Jährige an die Alte Försterei gewechselt, um endlich wieder in Ruhe spielen zu können.

In Liverpool war er nach einem schweren und verlorenen Champions-League-Finale 2018, wo er wegen einer Gehirnerschütterung böse patzte, gegen den späteren Weltklassetorhüter Alisson Becker ausgetauscht und nach Istanbul zu Besiktas ausgeliehen worden, wo ihn ausgerechnet der hochdekorierte Trainer Senol Günes öffentlich angriff und der Verein Gehaltszahlungen ausfallen ließ.

Keine Bewerbung für einen Stammplatz

Bei den Eisernen sollte alles anders werden, ein Schritt zurück zur rechten Zeit, um sich noch einmal für größere Aufgaben empfehlen zu können. Ein langfristiges Engagement in Köpenick war ohnehin nicht eingeplant, zu teuer wäre der Torwart für die Eisernen gewesen. Doch nun spielte Karius bei Union eben gar nicht, durfte sich in der Liga nicht ein einziges Mal zeigen.

Anders im Pokal, wo der Torhüter beim 2:3 gegen Paderborn nun endlich sein Debüt geben durfte – und gleich drei dicke Dinger kassierte. Schlimmer hätte ein Debüt kaum laufen können, zumal Karius bei den Gegentoren zwar eigentlich ohne echte Chance war, beim 1:2 und 1:3 aber auch nicht wirklich souverän aussah.

Besonders bitter: Vom Ausscheiden im Pokal mal abgesehen war Karius’ Leistung auch nicht gerade eine Bewerbung für den Stammplatz im Tor der Eisernen. Denn Andreas Luthe, bisher die Nummer eins, schüttelte aufkeimende Kritik zuletzt mit gewohnt starken Paraden ab, bot Trainer Fischer keinen Grund, auf ihn zu verzichten. Der 33 Jahre alte Routinier ist ohnehin der Ruhepol im Team der Unioner, passt mit seiner unaufgeregten Art bestens in die Mannschaft, während es im Spiel gegen Paderborn ausgerechnet Abwehrchef Marvin Friedrich war, der Loris Karius mehrfach zurückhalten musste, keine übereifrigen Abwürfe zu starten.

Union könnte Abgang abfedern

Mit anderen Worten: Mit Luthe funktionieren die Eisernen. Was ja eigentlich kein Problem ist. Nur muss sich Loris Karius dann fragen, wie es bei ihm nun weitergehen soll. Wenn er in Köpenick keine Chance auf regelmäßige Spielpraxis hat, bleibt dem zweifelsfrei hochveranlagten Torhüter kaum etwas anderes übrig, als sich anderweitig umzuschauen. Seiner Karriere zuliebe.

Die Eisernen könnten den Abgang des namhaften Keepers, bei allem Respekt, wohl auffangen: Mit Lennart Moser haben sie einen talentierten jungen Mann in der Hinterhand, der gierig auf seine Chance wartet. Und auch auf den verlässlichen Jakob Busk, der seit Jahren die Rolle als Ersatztorwart annimmt und nicht aufmuckt, könnten die Unioner zurückgreifen.