Union-Kapitän Christopher Trimmel (2. v. l.) feiert mit Genki Haraguchi, dem Torschützen zum 1:o. Ab sofort will Trimmel für Hertha jubeln. imago

Der Abpfiff des viel zu niedrig ausgefallenen 4:1-Sieges bei Hertha BSC im Olympiastadion war kaum verhallt, da überraschte ausgerechnet Unions Kapitän Christopher Trimmel mit Liebesgrüßen für das Westend. „Von jetzt an bin ich bis zum Ende der Saison Hertha-Fan“, lautete das Bekenntnis des Burgenländers vor den Mikrofonen und Kameras von Sky.

Wie bitte? Ein Roter ist auf einmal für die Blauen? Was sich im ersten Moment sehr komisch anhört, dafür gibt es eine einfache Erklärung des Österreichers: „Ich würde mir wünschen, dass sie in der Liga bleiben. Ich will nicht, dass sie absteigen. Diese Derbys, es macht Spaß, es macht Bock. Jeder der heute im Stadion war, weiß, das sind Spiele, die will man spielen als Fußballer. Vor ausverkauftem Haus. Das ist das Schönste, was es gibt als Fußballer.“

Nun ja, leichter gemacht haben sie es den Blau-Weißen dadurch nicht. Das Fantum hält sich verständlicherweise in Grenzen. Schließlich hat man ja auch noch eigene, nicht unambitionierte Ziele. „Wir hatten eigentlich ’nen Matchplan, der ging absolut auf, wollten die Seiten überlagern und hatten dann immer einen Spieler mehr. Dadurch sind wir gut durchgekommen, habe viele Flanken gehabt. Dass es am Ende so deutlich wurde, hat mich schon etwas überrascht“, meinte der 35-Jährige.

Trimmel kritisiert Unions Torausbeute

Unverdient war der Sieg auch in der Höhe nicht. „Wir hätten ja schon in der ersten Halbzeit wesentlich mehr Tore schießen können“, so Trimmel. Kein Widerspruch möglich. Zumal Trimmel selber dafür hätte Sorge tragen können. Doch er setzte die wunderbare Hereingabe von Sheraldo Becker in Minute 42 neben das Gehäuse. „Keine Frage, den muss ich schon machen. Da brauchen wir nicht drüber reden“, meinte Trimmel mit einem Lachen, das zeigte, das man das an so einem Abend verschmerzen konnte.

Lästermäuler meinen übrigens, dass Trimmel auch kommende Saison guten Gewissens Hertha-Fan bleiben kann. Was sollte man denn ernsthaft gegen solche Mannschaften haben, gegen die man sich eine blütenweiße Weste bewahrt, die in schönster Regelmäßigkeit die Punkte gegen einen abliefern. Die hat man doch lieber in der eigenen Spielklasse und nicht im Bundesliga-Unterbau.

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