Enttäuschung pur bei Union Marius Bülter und Rafal Gikiewicz nach dem 1:4 in  Mönchengladbach. Foto:  Moritz Müller/Pool/TEAM2sportphoto

Kann Union nicht ohne Drama? Brauchen die Eisernen diesen absoluten Nervenkitzel, um alles aus sich rauszuholen? Erinnert sei hier nur an das Vorjahr, als der schwierige Weg zum Aufstieg über die Relegation genommen und nicht in Bochum am letzten Spieltag schon alles alles klargemacht wurde. Nach dem 1:4 (0:2) in Mönchengladbach kann man sich dieses Eindrucks nicht erwehren. Denn wenn die Eisernen vor der Corona-Zwangspause scheinbar mühelos auf den Klassenerhalt zusteuerten, ist jetzt nach dem Abrutschen auf Rang 14 absolutes Kellergetümmel  angesagt, das womöglich bis zum letzten Spieltag andauern wird und in einem großen Show-Down gegen Fortuna Düsseldorf münden könnte. 

Natürlich war jeder gespannt darauf, wie die Elf von Urs Fischer den ganzen Wirbel rund um die Ausbootung von Sebastian Polter wegstecken würde. An dessen Verbannung aus dem Kader kann es nicht gelegen haben, denn eigentlich trat fast die klassische Stammelf der Köpenicker in Erscheinung, der Fischer zuletzt das Vertrauen geschenkt hatte. Sogar Christopher Lenz konnte wieder mitmischen. Zumindest für 60 Minuten, bis er von Julian Ryerson abgelöst wurde, was ein neuerliches Drama nach sich zog. Denn der Norweger stand kaum 60 Sekunden auf dem Feld, als er nach einem rüden Foul  von Gladbachs Florian Neuhaus mit Verdacht auf eine Knieverletzung wieder raus musste. 

Da war die Partie eigentlich schon gelaufen, denn kurz zuvor hatte Marcus Thuram mit dem 3:1 (59.) seinen zweiten Treffer des Tages erzielt und die Fronten endgültig geklärt. Aus für die Hoffnung, die aufkeimte, als sich Sebastian Andersson kurz nach der Pause mit seinem zwölften Saisontreffer auf Rang vier der Torschützenliste geschoben hatte - nebensächlich - und Union auf 1:2 herangeführt hatte - wichtiger. 

Anderssons 12. Bundesligatreffer hilft nicht wirklich

Kurz schien es, als ob die Umstellung von Fischer nach der Pause auf ein 4-3-3 Früchte tragen sollte. Neven Subotic, der beim 0:2 Thuram aus den Augen verloren hatte (41.), musste für Felix Kroos weichen. Lenz rückte aus dem Mittelfeld eine Postion nach hinten. Eine Teilschuld musste man sicherlich auch Marvin Friedrich geben. Der hatte beim 0:1 durch Florian Neuhaus (17.) - der 3000. Bundesligatreffer der Hausherren - nur freundlich Spalier gestanden und ließ beim zweiten Treffer der Fohlen Alassane Pléa ungestört flanken. 

Doch dieses zarte Pflänzchen Hoffnung erwies sich als trügerisch. Und kam, wenn man ehrlich ist, auch nur dadurch zustande, dass die Elf von Marco Rose es einfach etwas lässiger angehen ließ nach Wiederanpfiff. Wann immer die Fohlen das Tempo wieder ein bisschen anzogen, hatte der Gast wenig zu bestellen. Pleas 4:1 war da nur folgerichtig (81.). Über weite Teile der Partie wirkte das Spiel eben so, wie das eines klassischen Zweitligisten gegen einen gestanden Bundesligisten. Bemühen war zu keiner Zeit abzusprechen, es reichte aber eben nicht.

Entsprechend enttäuscht war Trainer Urs Fischer. „Die erste Hälfte war ängstlich, da hatten wir sehr viele Abspielfehler, da haben wir Gladbach eigentlich fast eingeladen. Wenn wir so viele Fehler produzieren, dann wird es zum Schluss eben auch schwer, ein Spiel zu gewinnen. Nach der Pause sind wir so aufgetreten, wie das von Beginn an hätte sein sollen. Dann kommen wir auf 2:1 heran und legen uns das 3:1 selbst ins eigene Tor“, kritisierte der Schweizer.

Union ging gegen Gladbach runter. Und musste das neidlos anerkennen. „Im Grunde haben wir das Spiel schon vor der Pause verloren. Wir habe zu einfach die Bälle verloren. Wie haben die Tore viel zu einfach bekommen. Es waren viele kleine Details, die den Ausschlag gaben“, meinte Andersson.

So steuern die Köpenicker also mit Volldampf - Drama, Baby, Drama - auf echte Abstiegsendspiele gegen andere Kellerkinder zu. Schalke - Unions Gegner am kommenden Sonntag - ist zwar tabellarisch als Zehnter unverdächtig wirklich zittern zu müssen. Aber angesichts des letzten Abschneidens (kein Sieg in den vergangenen elf Spielen) derzeit eher als liga-untauglich  zu beurteilen. Dann warten noch - Hoffenheim betrachten wir jetzt mal als Streichresultat -  Köln, Paderborn und am letzten Spieltag Relegationsplatz-Inhaber Düsseldorf auf die Eisernen. Stoff genug  für epische Dramen also. So wie Union sie zu lieben scheint.