Leverkusens Trainer Peter Bosz im Gespräch mit Unions Chefcoach Urs Fischer. Mal schauen, wer heute Abend mit besserer Laune nach der Partie nach Hause fährt.  Foto: imago images/MIS

Wir kennen es seit Michail Gorbatschow. Auch wenn die Urheberschaft wohl eher Gennadi Iwanowitsch Gerassimow zugerechnet werden muss. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Fußball hatten die beiden russischen Politiker und Staatsmänner eher weniger im Sinn mit ihrem Ausspruch. Und doch trifft diese Weisheit auch auf das heutige Spitzenduell zwischen dem 1. FC Union und dem TSV Bayer 04 Leverkusen zu. Beide Teams sind echte Blitzstarter, genauer gesagt die Blitzstarter der Liga.

Also bloß nicht heute Abend zu spät einschalten. Nicht, dass ein plötzliches Update auf Ihrem Rechner das Sehvergnügen (20.30 Uhr, DAZN) beeinträchtigt oder verzögert. Gerade die Anfangsviertelstunde hat es beiden Teams mächtig angetan. Unions acht Treffer in den ersten 15 Minuten sind Ligaspitze. Die Gäste nutzten diese Frühphase des Spiels aber auch schon siebenmal für ein Tor. Es verspricht also von Anfang an heiß herzugehen. 

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Leverkusen gut bei Standards

Die Statistik spricht nicht für die Eisernen. Sie ist sogar dürftiger als die Bilanz gegen diesen Emporkömmling aus Leipzig. Der gewann zwar in der Vorsaison beide Spiele gegen die Elf von Urs Fischer, aber die Eisernen konnten zu Zweitligazeiten den Sachsen zweimal Punkte abknöpfen. Das 2:1 im September 2014 war sogar deren erste Niederlage im DFL-Bereich.

Doch zurück zur Werkself. Bayer gewann in fünf Begegnungen fünfmal gegen Union. Zweimal in der Liga in der Vorsaison, dreimal im Pokal. Das erste Mal im Oktober 2003. Wobei es ein böswilliges Gerücht ist, dass die Alte Försterei seinerzeit bis auf einen Platz ausverkauft gewesen sei. Und dieses Ticket hatte seinerzeit nicht an den Mann gebracht werden können, weil Bayer-Boss Reiner Calmund aufgrund seiner Statur als quasi Kubikelfe zwei Sitzplätze für sich in Anspruch hatte nehmen müssen. 

Union bleibt nie ohne Tor

Spannend wird zusehen sein, ob Unions beste Waffe funktioniert gegen die Rheinländer. Die Eisernen sind ja gute Standardverwerter. Aber das oftmals als Pillendreher verballhornte Werksteam ist nach Eckbällen noch ohne Gegentor und niemand kassierte weniger Kopfball-Gegentore als eben Bayer (zwei). Eine echte Herausforderung also. 

Die Formtabelle würde die Hausherren favorisieren. Seit fünf Ligaspielen – zweitlängste Serie ihrer Bundesliga-Historie – sind die Eisernen ungeschlagen, die Gäste dagegen holten nur einen Zähler aus ihren letzten drei Punktspielen. 

Trimmel muss aufpassen

Ein Vorteil für die Rheinländer ist sicherlich, dass sie unbelastet an die Partie herangehen werden. Keinem Spieler droht eine Sperre. Bei Union hingegen muss sich Christopher Trimmel vorsehen, dass er keinen Gelben Karton sieht. Es wäre seine fünfte Gelbe und damit wäre er dann gegen Leipzig am Dienstag gesperrt. 

Wie Wolfsburg in der Vorwoche warten die Gäste mit einer sehr ordentlichen Abwehr auf. 15 Gegentreffer sind der zweitbeste Wert der Liga. Unions Offensivkräfte sind also einmal mehr gefragt, Lösungen zu finden. Dass sie das können, ist klar, 31 Treffer sprechen da eine deutliche Sprache. Nur der FC Bayern netzte häufiger ein. Genauso wie die Münchner ging Union übrigens an keinem der bisherigen 15 Spieltage leer aus. 

Es verspricht also spannend zu werden. Und interessant sein wird, zu beobachten, ob der Pokalauftritt gegen Frankfurt die Gäste geschlaucht hat. Was Trainer Urs Fischer hofft, er aber drauf nicht unbedingt bauen mag. „Sie sind ja nicht ausgeschieden“, weist er auf einen psychologisch nicht ganz unwichtigen Aspekt hin.

Für die Eisernen wäre jeder weitere Zähler ein Erfolg. Mit einem weiteren Heimerfolg würde Union bis auf einen Zähler zu Bayer aufschließen und zumindest für einen Tag den BVB überflügeln. Doch ungeachtet des bisher Erreichten, Favorit sind die Köpenicker in dieser Partie mit Sicherheit nicht.