Unions heutiger Co-Trainer Sebastian Bönig (r.) kennt das Grünwalder noch als Spieler, sein Boss Urs Fischer noch gar nicht.  imago/Fishing 4

Unioner brauchen keinen Karneval, Unioner feiern überall. Die Lust der Eisernen auf Fußball ist ungebrochen. Vielleicht sogar gewachsen durch den Lockdown. Fan-Invasion in Rot und Weiß in München. 1350 Fans wollen den 1. FC Union bei seinem Pokalauftakt in München am Sonntag (15.30 Uhr) beim Drittligazehnten Türkgücü begleiten. 

Damit wird das Auswärtsspiel quasi zum Heimspiel für die Eisernen. Der Berliner Anhang stellt über 50 Prozent der Besucher im Stadion an der Grünwalder Straße. Denn die Gastgeber haben gerade einmal um die 2500 Tickets unters Volk gebracht. 

Fischer freut sich auf Unterstützung

Trainer Urs Fischer freut es. „Ich bin froh, dass zahlreiche Fans da sind. Du brauchst immer wieder eine Anhängerschaft, die dich in gewissen Momenten unterstützt“, sagte der Schweizer Fußballlehrer, der ein enges Match erwartet und daher auch für Motivation von den Rängen dankbar ist. 

Die wird er mit Sicherheit bekommen. Denn natürlich hat dieser Fußballtourismus auch etwas mit der Spielstätte zu tun. Das altehrwürdige Grünwalder – Heimat der Münchner Löwen, auch wenn sie es sich mit der Bayern-Reserve und eben Türkgücü teilen müssen – ist für viele Fans Terra incognita. Auch für Fischer, der in seiner langjährigen Karriere als Spieler und Trainer gefühlt schon überall war. 

„Ich weiß nichts darüber“, gibt Fischer zu, dass er dort Neuland betritt. Auch Pressesprecher Christian Arbeit feiert dort – anders als mancher Anhänger der Eisernen – eine Premiere. Die Köpenicker gastierten erstmals in der Spielzeit 2008/09 auf Giesings Höhen, als sie zum Drittligaauftakt den Amateuren des FC Bayern mit 1:2 unterlagen. Der heutige Co-Trainer Sebastian Bönig trug da noch das Union-Trikot. Sämtliche weitere Auftritte in München fanden dann in der Allianz Arena statt, weil der TSV 1860 ja erst nach seinem Absturz in den Amateurbereich wieder heimkehren konnte. 

3300 Fans waren 2008 Augenzeuge. 3577 Besucher wären diesmal insgesamt erlaubt. Wird wohl also eher nicht ausverkauft sein. Das Interesse an dem Drittligisten ist in der Isar-Metropole eher mau. Die Bild-Zeitung widmete Türkgücü in ihren letzten beiden Münchner Ausgaben keine Zeile, wohl aber Regionalligist Unterhaching. Muss man noch mehr sagen? 

Türkgücü fühlt sich durch Union-Fans motiviert

Übrigens: Dass man im Stadion vor allem die Union-Fans vernehmen wird, juckt Türkgücüs Trainer Petr Ruman nicht. „Mich persönlich hat das früher immer noch einen Tick mehr motiviert, wenn dich die gegnerischen Fans angeschrien haben. Vielleicht bekommen wir dadurch einen kleinen Kick“, so der Tscheche.

Umgekehrt kann das aber auch ganz schnell nach hinten losgehen ...

So will Union spielen: Luthe – Friedrich, Knoche, Baumgartl – Trimmel, Andrich, Puchacz – Haraguchi, Ingvartsen – Awoniyi, Kruse

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