Robert Andrich macht ein Selfie mit den Union-Fans. Das war vor einer Woche beim Pokalsieg in München bei Türkgücü. War es sein letzter Auftritt für die Eisernen? Foto: Imago Images/Koch

Nach dem Warnschuss seiner Spieler hatte Urs Fischer Mühe, den Fokus auf das lang erwartete Europa-Abenteuer zu richten. „Die Mannschaft aus Finnland...Kuopio PS, irgendwie...“, sagte der Trainer von Union Berlin, dem die Leistung der Köpenicker beim Bundesliga-Auftakt gegen Bayer Leverkusen noch mehr Kopfzerbrechen bereitete als der Name des kommenden Gegners in der neuen Conference League.

Beim 1:1 (1:1) hatte Union zwei Gesichter gezeigt und fünf Tage vor der Reise nach Helsinki Probleme offenbart. „So schlecht kannst du eigentlich gar nicht spielen“, monierte Fischer deutlich - und nahm nach der völlig missglückten ersten Halbzeit alle in die Pflicht: „Wir tun gut daran, bescheiden und demütig zu bleiben, nach wie vor unser ekliges Gesicht zu zeigen und unsere Basics abzurufen.“

In den ersten 45 Minuten hatte Union seine typischen Tugenden vermissen lassen. Die Berliner liefen dem Ball meist nur hinterher, für Entlastung wurde kaum gesorgt. Dass Union nach den Treffern des im Sommer fest vom FC Liverpool verpflichteten Taiwo Awoniyi (7.) sowie dem Ausgleich von Leverkusens Moussa Diaby (12.) zur Pause nicht in Rückstand gelegen habe, sei das „Positivste“ des ersten Durchgangs gewesen, so Fischer.

Am Ende startete Union im dritten Bundesliga-Jahr dennoch erstmals ohne Niederlage in die Saison. „Laut“ sei er in der Kabine geworden, sagte Fischer, dessen Worte fruchteten. „Wir haben dann Union gesehen, wie wir uns das vorstellen“, sagte der Schweizer, der in der Bewertung zwischen einem „gerechten Unentschieden“ und „glücklichen Unentschieden“ schwankte.

Einer, der im Spielaufbau schmerzlich vermisst wurde, war Robert Andrich. Der Mittelfeldspieler kam offiziell wegen leichter gesundheitlicher Probleme nicht zum Einsatz. Sein Fehlen befeuerte jedoch die Gerüchte über einen bevorstehenden Wechsel nach Leverkusen.

Konkrete Aussagen dazu vermieden sowohl Fischer als auch Leverkusens neuer Trainer Gerardo Seoane. „Robert Andrich ist ein Spieler von Union Berlin“, sagte der Bundesliga-Neuling knapp.

Redebedarf herrschte derweil auch über das Bayer-Duo Jonathan Tah und Nadiem Amiri. Sieben Monate nach einem Rassismus-Eklat in der Vorsaison wurden die Nationalspieler bei jeder Ballberührung vom Großteil der 11.006 Fans im Hexenkessel Alte Försterei ausgepfiffen.

Tah hatte beim Gastspiel im Januar im TV Rassismus-Vorwürfe erhoben. Amiri soll von Unioner Seite mit den Worten „Scheiß Afghane“ beleidigt worden sein, behauptete Tah damals. Der damalige Union-Profi Florian Hübner wurde in der Folge wegen „unsportlichen Verhaltens“ für zwei Spiele gesperrt, eine rassistisch motivierte Beleidigung wurde aber nicht festgestellt.

Union-Präsident Dirk Zingler sah trotz der brisanten Vorgeschichte keinen Anlass für Kritik am Verhalten des eigenen Anhangs. „Die Jungs und Mädels, die hier stehen, pfeifen und das ist ihr gutes Recht“, so Zingler am Sky-Mikrofon.

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