Unions Präsident kritisiert die Corona-Politk scharf und teilt in bester Uli-Hoeneß-Manier gegen Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder aus.  Imago

Eigentlich hatte Unions Präsident Dirk Zingler nicht einmal das Wort Corona in den Mund nehmen wollen. In einer Medienrunde im Vorfeld der Mitgliederversammlung, bei der es eigentlich nur um Zahlen gehen sollte, lud der Ober-Eiserne dann aber durch. Der 57-Jährige kritisierte die aktuelle Corona-Politik scharf und beklagte einen unfairen Umgang mit dem Profifußball. „Die Abwälzung der Verantwortung auf die Veranstalter und Menschen ist kaum noch zu ertragen“, so Zingler am Donnerstag: „Unser Land ist in einem katastrophalen Zustand, weil es katastrophal geführt wird und katastrophal kommuniziert wird.“

Rums! Doch Zingler war noch lange nicht fertig. Das politische Handeln in der Corona-Krise sei teilweise „absurd“, man befinde sich „im Vollchaos“, schimpfte er. Dies betreffe auch die Zuschauer-Thematik. Man erhalte „täglich andere Signale von der Politik“, Verordnungen würden mitunter schon am Tag des Inkrafttretens wieder infrage gestellt. Veranstalter hätten es so unnötig schwer. 

Unions Zingler kritisiert Umgang mit Joshua Kimmich

Passend dazu: Vor dem Hintergrund einer unklaren Corona-Verordnungslage musste Union den Ticketverkauf für das Europa-Endspiel gegen Slavia Prag (9. Dezember, 21 Uhr, Nitro) stoppen. Fest steht nur: Durch die zu erwartenden Einschränkungen werden deutlich weniger Fans beim Conference-Highlight dabei sein können. Immerhin, ein sofortiges Geisterspiel am Freitagabend gegen RB Leipzig (20.30 Uhr/DAZN) scheint vom Tisch, die Eisernen dürfen wohl noch wie geplant vor 13.500 Zuschauern in der Alten Försterei spielen. 

Zingler kritisierte zudem die Einmischung höchster politischer Kreise in den Fall des Impf-Skeptikers Joshua Kimmich. Die hätten lieber ihren Job machen sollen. „Dass sich unsere Bundesregierung mit einer Einzelperson aus einer Branche befasst, die zu über 90 Prozent geimpft ist, ist ein Skandal“, wetterte der 57-Jährige und verwies auf den Sommer des Vorjahres. Seinerzeit hatte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge eine Impfung für alle Profis angeregt und war danach böse abgewatscht worden, die ohnehin schon gut betuchte Branche wolle sich vordrängeln. „Heute wird ein einzelner Spieler an den Pranger gestellt, weil er nicht geimpft ist“, wetterte Zingler über die in seinen Augen bigotte Nutzung der Moralkeule.  

Zingler bezeichnet Söder als Clown

Mit großem Unverständnis reagierte Zingler auch auf die öffentliche Empörung über volle Stadien in der vierten Welle, wie nach dem ausverkauften Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach. Bislang sind ja Freiluftveranstaltungen nicht als Superspreader-Events bekannt. Allerdings steigen die Infektionszahlen in der Domstadt pünktlich zwei Wochen nach dem Kick (und Karneval) rasant. „Wir regen uns über volle Stadien auf, aber nicht über lange Schlangen an Impfzentren“, sagte der Union-Boss. Nicht der Profifußball sei das Problem, sondern dass in der Pandemie 30.000 Pflegekräfte und 6000 Betten verloren gingen. Der Staat solle „bitte zuerst seine Hausaufgaben machen und erst dann bei den Menschen die Grundrechte einschränken“.

Hoffnung setzt Zingler in die neue Ampel-Koalition. Weil sie nach außen wesentlich mehr Geschlossenheit zeige, bereit sei,  Entscheidungen zu treffen und sich nicht immer nur medial in Szene setzen wolle. „Ich bin froh, dass die abgewählte Regierung endlich abtritt und eine neue die Chance bekommt“, sagte Zingler, der danach Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der kürzlich Geisterspiele für alle Bundesligisten gefordert hatte, in bester Uli-Hoeneß-Manier abwatschte. Er erlebe zumindest „ein hohes Maß an Professionalität“, was auch daran läge, dass „der Clown aus München“ nicht mehr parteiintern dazwischenfunken würde.

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