Und dann die Hände zum Himmel ... Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union, hatte in der abgelaufenen Spielzeit häufig Grund zum Jubeln. Imago/Contrast/Oliver Behrendt

Sie waren der Exot, als sie vor drei Jahren aufstiegen. Liebevoll betrachtet. Gemocht von allen und ein bisschen gehätschelt. Doch mit seiner Mentalität als kleines gallisches Dorf lehrte der 1. FC Union die Bundesliga das Fürchten, biss sich in Deutschlands Eliteliga fest. Mit Folgen! „Leiden kann uns keiner mehr“, scherzte Unions Präsident Dirk Zingler dieser Tage in einem vereinseigenen, auf Youtube veröffentlichten Interview.

„Unser Einfluss in die Bundesliga hinein ist größer, als die sich alle gewünscht haben, weil alle wissen, dass wir die geringsten Ausgaben pro Bundesligapunkt haben“, brachte Zingler es auf den Punkt. Ohne mit den riesigen Millionen zu jonglieren, zeigten die Köpenicker der deutlich besser betuchten Konkurrenz in der eigenen Stadt und darüber hinaus, dass man aus ganz wenig sehr viel machen kann.

Das war übrigens schon im Vorjahr der Fall, wie die jüngsten Zahlen des Bundesligareports erkennen ließen. Wenn man die Personalausgaben auf die geholten Punkte umrechnen würde, wären die Eisernen der Branchenprimus gewesen, nicht der FC Bayern. Mit 50 Zählern stürmten die Köpenicker in die neu geschaffene Conference League, gaben dabei im Schnitt nur 0,8 Millionen Euro pro Punkt aus.

1. FC Union mit moderatem Anstieg bei den Personalausgaben

Die Personalausgaben stiegen im Vergleich zum Vorjahr 19/20, als die Eisernen erstmals in der Beletage des deutschen Fußballs reüssierten und nur leicht verbesserte Zweitligabezüge zahlten, um moderate 7,68 Prozent an. Was im Übrigen erklärt, warum sich andere Klubs zuletzt vermehrt bei den Eisernen bei Spielern bedienten. Es gibt halt im Rest der Republik deutlich mehr zu verdienen als im Südosten der Bundeshauptstadt.

Ein weiterer guter Indikator ist dabei das investierte Geld bei Transfers, das nicht dem kickenden Personal und damit der Qualität des Spiels zugute kommt, sondern nur Personen in deren Umfeld. Von allen 18 Erstligisten gab Union in der Spielzeit 20/21 am wenigsten für Spielerberater aus. Nur 2,23 Millionen Euro flossen in die Taschen der Agenten.

Der Applaus von außerhalb wurde deshalb weniger, glaubt Zingler. Weil die Etablierten auf einmal feststellen müssen, dass sie am Futtertrog kaum noch Platz haben, der für Unions starken Mann eine ungeheure Attraktivität darstellt. Langeweile, weil Bayern immer Meister wird, erkenne er nicht.

Für den 1. FC Union ist die Liga spannend

„Jedes Spiel ist total schwer in der Bundesliga. Es kommt immer auf Kleinigkeiten an, auf eine Einzelaktion, einen ruhenden Ball. Das macht für mich diese Liga eben nicht langweilig. Ich glaube, 75 Prozent der Anhänger von 90 Prozent der Klubs in der Liga ist es vollkommen egal, wer Deutscher Meister wird“, so er 57-jährige Baustoff-Logistiker.  Man habe eine „total spannende“ Liga. Bei vielen Teams sei vor der Saison offen, was sie erreichen könnten.

Zwei Bausteine des eisernen Erfolges: Unions Präsident Dirk Zingler zusammen mit Manager Oliver Ruhnert. Imago/Contrast/Oliver Behrendt

Der Verein aber, und das ist dem Oberboss der Eisernen immens wichtig, sei sich dabei stets treu geblieben. Union hätte nicht versucht, anderen zu gefallen, sondern alles, was die Eisernen taten, taten sie aus Überzeugung. Auch wenn das nicht immer Beifall fand.

Lesen Sie auch: Inflation erreicht fast acht Prozent >>

1. FC Union peilt mehr Einnahmen an

Trotzdem müsse Union sich weiterentwickeln, sportlich und wirtschaftlich. „Wenn wir sportlich erfolgreich sind, müssen wir versuchen, aus diesem sportlichen Erfolg auch unsere Einnahmen zu steigern“, sagte Zingler. Und diese Erträge wieder in Beine investieren. Was der Konkurrenz auch nicht gefallen wird. Wenn auch noch die Qualität des Kaders kontinuierlich steigt, dann erhöhen sich die Möglichkeiten für die Eisernen weiter. Gekommen, um zu wachsen und damit zu bleiben.

Lesen Sie hier mehr über den 1. FC Union >>