Union-Boss Dirk Zingler freute der Sieg seiner Eisernen in Malmö, nicht aber die Begleitumstände.
Union-Boss Dirk Zingler freute der Sieg seiner Eisernen in Malmö, nicht aber die Begleitumstände. Imago/Matthias Koch

Bei András Schäfer gab es beim Abpfiff kein Halten mehr. Auf der Tribüne sprang der junge Ungar – wegen seiner Roten Karte nach einer Notbremse kurz vor der Pause bereits in Zivil gewandet – wie eine Tarantel hin und her. 1:0 gewonnen in Malmö. Trotz Unterzahl. Durch einen Geniestreich von Sheraldo Becker.

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Endlich auf der Tabelle angekommen. Und durch das 1:2 von Sporting Braga gegen St.-Gilloise haben die Eisernen es zumindest nun in der eigenen Hand, mindestens Platz drei in der Gruppenphase dingfest machen zu können. Auch Platz zwei ist wieder drin. Womit die Play-offs um das Achtelfinale der Europa League trotz der zwei Auftaktniederlagen wieder in Sichtweite sind. Drei Siege und Union überwintert in Europa!

„Ich hatte stets das Gefühl, dass wir das Spiel kontrollieren. Natürlich hat man nach dem Platzverweis Bedenken, aber wir haben es dann gut gemacht und letztlich auch verdient gewonnen, denke ich. Wir hatten am Ende viele Möglichkeiten, hätten da auch vielleicht die eine oder andere mehr nutzen müssen, aber am Ende hat das eine Tor gereicht“, so Trainer Urs Fischer, der sich erst am Morgen des Spieltages hatte nach seiner Corona-Infektion freitesten können und nach Malmö nachgereist war.

Trimmel beklagt erneuten Platzverweis

„Das war ein Wechselbad der Gefühle. Chancen, Rote Karte, die Unterbrechung, dann die Führung und der Sieg. Aber am Ende war der Erfolg sicher verdient. Nach der Roten Karte hatten wir auch mehr Räume und konnten unser Konterspiel besser ausspielen. Trotzdem wollen wir natürlich auch mal ein Spiel in Europa ohne Platzverweis beenden“, so die Meinung  von Christopher Trimmel zum Spiel. Schäfers Rote ist ja schon die Zweite, nachdem Sven Michel zum Auftakt gegen St.-Gilloise ebenfalls einen Platzverweis kassiert hatte.

Glücklich also der, der sich nur mit den sportlichen Begebenheiten des Kicks in Schweden befassen muss. Dass da aber mehr im Spiel war, müsste jedem klar sein. 27 Minuten war die Partie unterbrochen, weil Raketen und Böller auf den Rasen gelangt waren. Ein Abbruch war zum Greifen nah!

Trainer Urs Fischer zeigte sich dem Phänomen gegenüber etwas hilflos, fand aber deutliche Worte: „Feuerwerk auf Menschen zu zielen, auf Menschen zu richten, das geht einfach zu weit. Das ist das Schlimme: Es geht nicht mehr um den Sport, um Fußball. Dass eine Minderheit es einfach immer wieder hinbekommt, dass man nicht übers Spiel spricht. Da fehlen mir die Worte. Das finde ich beschämend“, so der Schweizer Fußballlehrer.

Präsident Dirk Zingler machte dann aus seinem Herzen auch keine Mördergrube. „Das ist ein getrübter Sieg. Es ist nicht zu akzeptieren. Nichts und niemand hat etwas auf dem Rasen oder in anderen Blöcken zu tun. Das ärgert mich total. Kennen wir nicht, machen wir nicht und hier machen wir es plötzlich. Da bin ich stinksauer drüber“, so der Baustofflogistiker.

Union-Boss Zingler spricht von Provokationen

Wie sonst auch immer, denn der 1. FC Union hechelt nie der öffentlichen Meinung hinterher, sondern versucht Probleme intern zu lösen, wurde aber nicht in Bausch und Bogen verurteilt, nur weil der Aufschrei in der Republik da war. „Der ganze Tag war ein Tag voller Provokationen, die Malmöer laden sich Leute aus der Hauptstadt ein, wir laden uns Leute vom Dorf ein – und dann haben wir gegenseitig unsere Gäste nicht im Griff“, so Zingler zum Teil nebulös, der die rund 1200 mitgereisten Union-Fans daher „nicht pauschal“ verurteilen wollte.

Zumindest scheint er offenbar deutlichen Gesprächsbedarf erkannt zu haben. „Das werden wir auswerten mit der Szene, das ist ganz klar“, betonte der Union-Boss: „Am Ende sind es immer wenige. Das hört sich zwar an wie eine Floskel, aber es ist die Wahrheit.“ Man darf gespannt sein, wie Union jetzt reagiert.

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