Heftige Unterredung: Leverkusens Nadiem Amiri (Nr. 11) wird von Christopher Lenz sanft vom Pulk der Union-Spieler ferngehalten, Marvin Friedrich ist interessiert.  Foto: Michael Hundt

Nichts wird so heiß gegessen, wie es auf den Tisch kommt. Die Wellen schlugen hoch nach Unions  1:0 (0:0) gegen Leverkusen. Doch der im Raum stehende Rassismus-Vorwurf – ausgelöst von Nationalspieler Jonathan Tah, der ihn vor laufender Kamera erhoben hatte – scheint ausgeräumt. Florian Hübner soll im Eifer des Gefechts Leverkusens Nadiem Amir angeblich mit den Worten „Scheiß Afghane“ beleidigt haben.

„Wir selbst haben diese Informationen nicht. Der Spieler hat gesagt, dass er sich nicht so geäußert hat. Für uns hat es diese rassistische Thematik, wie sie jetzt dargestellt wird, nicht gegeben“, betonte Union-Manager Oliver Ruhnert am Tag danach und verdeutlichte unmissverständlich, dass Rassismus auf dem Platz und bei Union nichts zu suchen habe. „Was genau da gewesen ist, haben wir nicht mitbekommen. Es wird von unserer Seite aber so gesehen, dass es ausgeräumt ist“, meinte Ruhnert, der aber weiß, dass der DFB-Kontrollausschuss dennoch Ermittlungen aufnehmen wird und womöglich eine nachträgliche Sperre auf die Eisernen zukommt.

Intern wurde Union von Bayer übrigens bestätigt, dass es zwar zu einer persönlichen Beleidigung gekommen sei, aber dass es sich nicht um eine rassistische Entgleisung gehandelt habe. Etwas, dass sich Ruhnert sowie schwer vorstellen konnte. „Rassismus ist ohnehin schwierig. Er ist ja liiert mit einer Frau, deren Hautfarbe nicht weiß ist“, verwies der Manager auf Hübners Ehefrau Reshma Shah, die auch indische Wurzeln in ihrer Familie hat. 

Da kam manches in der Emotionalität anders an

Union-Manager Oliver Ruhnert

Für die These, dass es sich beim auf dem Platz überall geführten Trashtalk um eine persönliche Entgleisung handelte, spricht die Tatsache, dass Hübner und Amiri sich nach dem Abpfiff vor den Kabinen ausgiebig ausgesprochen hatten und Bayer am Sonnabend via Twitter eine Erklärung abgab, dass Amiri die Entschuldigung Hübners angenommen habe. 

Ruhnert versuchte sich auch an einer Erklärung, warum das Ganze so aus dem Ruder gelaufen sei: „Für uns ist das so, dass Dinge im Eifer des Gefechts anders wahrgenommen wurden, als sie gefallen sind und deshalb in der Emotionalität anders rüberkamen.“ Er verwies darauf, dass eben Tah und nicht Amiri damit an die Öffentlichkeit gegangen sei. Stille Post sozusagen. 

„Was da zwischen den Spielern abgelaufen ist, kann ich nicht bewerten. Das ist dann eher Hörensagen. Das kann sicherlich auch der Spieler, der es hinterher vor der Kamera geäußert hat, auch nur als Hörensagen wahrgenommen haben. Dadurch wird es, wenn es so gewesen wäre, nicht besser“, so Ruhnert. 

Nachtrag: Laut dem Kicker Sportmagazin hat Jonathan Tah die angeblich so gefallene Beleidigung gar nicht selber gehört