Der Schlusspunkt: Union Keeper Andreas Luthe kommt an den Lupfer von Erling Haaland (nicht im Bild) nicht mehr ran. 2:4 – die Eisernen waren geschlagen. AP/Martin Meissner

„Wäre, hätte, wenn. Bis zur 80. Minute stand es 2:3. Es hätte noch mal eng werden können“, zog Unions Trainer Urs Fischer nach einem  höchst unterhaltsamen Fußballabend das Resümee eines 2:4 (0:2) aus Union-Sicht beim BVB, bei dem natürlich Erling Haaland – unter ein bisschen Mithilfe von Andreas Luthe – den Schlusspunkt gesetzt hatte (84.). 

Der Norweger war so etwas wie die Spaßbremse des Abends. „Es macht Spaß, ihnen zuzuschauen“, hatte Trainer Urs Fischer im Vorfeld schon gesagt und dabei leider die kleine, aber nicht ganz unerhebliche Prämisse vergessen, dass das nur gilt, wenn man den Dortmundern dabei nicht unmittelbar gegenübersteht. So wie Union halt am Sonntag.

Der kleine Funke Hoffnung auf eisernes Amüsement, der aufkeimte, als Taiwo Awoniyi das vermeintliche 1:0 (1.) erzielte, verpuffte schnell im Abseitspfiff von Schiedsrichter Sven Jablonski. Und war endgültig gekillt, als Raphael Guerreiro mit einem Traumtor (10.) den BVB dann in Führung brachte. Zugebenermaßen hübsch anzusehen.

Haaland, immer wieder Haaland

Der Rest war klassisch. Der BVB tat BVB-Dinge. Mit einem Erling Haaland, viel Körpereinsatz und zahlreichen Schubsern sowie dem 2:0. Per Kopf – nicht typisch Haaland – und ziemlich unbedrängt von den Herren Marvin Friedrich und Robin Knoche (24.). Die Hausherren wollten einfach Spaß haben und boten eine Vorstellung voll Leidenschaft, die bei jedem Gegner Leiden schafft.

Dass die ausgerechnet nach dem 3:0 – ein Eigentor von Marvin Friedrich (52.), der verhindern wollte, dass der hinter ihm stehende Haaland einschiebt – endete, gehört zu den Pointen des Kicks. Denn dann passierte das, was Dortmunds Trainer Marco Rose Kopfzerbrechen und dem nimmermüden Anhang von rund 500 mitgereisten Unions-Fans diebische Freude bereitete. „Union ist sowieso nicht kleinzukriegen“, bekannte der BVB-Trainer.

Der Beweis wurde prompt geliefert. Es bedurfte dazu eines Elfmeters – von Kevin Behrens nach Videobeweis rausgeholt und von Max Kruse sicher verwandelt (57.) – und eines Kopfballtores von Andreas Voglsammer (81.), aber Standards gehören zum Spiel einfach mal dazu und sind immer noch nicht verboten. Zur Riesengaudi der Eisernen.

So ganz nebenbei beantwortete Union damit auch die von einigen Experten aufgeworfene Frage, ob denn die Niederlage in der Conference League am Donnerstag bei Slavia Prag (1:3) womöglich Auswirkungen auf die Psyche hätte haben können.

Vielleicht auf die Kraft. Weil all diese englischen Wochen ungewohnt sind für die Köpernicker. Nicht aber für den Kopf. Beim BVB war man am Ende froh, dass der mit einem Cut vom Ellenbogen seines Landsmann Julian Ryerson sichtlich gezeichnete Haaland den Sack mit einem feinen Lupfer zubinden konnte. „Dortmund ist halt brutal effektiv. Wenn du so früh zurückliegst, dann musst du auch Räume aufmachen. Das haben sie gut genutzt. Das ist halt auch ihre Qualität. Wenn wir es länger schaffen, dass es 0:0 steht, dann spielt das uns vielleicht in die Karten, aber das haben wir heute nicht geschafft“, gab Union-Torwart Andreas Luthe dann auch zu.

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