Anthony Ujah hatte in dieser Wochen endlich mal wieder den Fuß am Ball.  Foto: Matthias Koch

Dienstagmorgen in Köpenick, der Himmel trist und grau. Wolkenverhangen. Und doch zauberte sich so etwas wie ein Sonnenstrahl in die Herzen der Unionanhänger. Denn Anthony Ujah trabte mit den Kollegen gemeinsam aufs Feld. 

Nun gut, der Nigerianer, der aufgrund seiner Knieoperation in der Sommerpause und danach zutage tretenden Komplikationen noch keine einzige Spielminute für die Köpenicker absolvieren durfte, war noch kein Bestandteil des Mannschaftstrainings. Er übte zunächst abseits der Kollegen mit Fitness- und Reha-Trainer Christopher Busse, streichelte mehrfach sogar das Bällchen mit dem Fuß und drehte abschließend Runden um den Platz, bei denen er auffallend gerne quer durchs Geläuf trabte, auf dem die Spielgefährten ihrem Tagewerk nachgingen und gerade in einer Übungseinheit innehielten. Beim Nigerianer war, kein Zweifel möglich, etwas anders in dieser Woche. 

Er, der bislang vor allem nur individuell trainierte, oft auch in Abgeschiedenheit und verordneter Isolation, war ein Stück näher dran am „Mittendrin statt nur dabei“.  Mit hoch gestreckten Fingern, zum Victory-Zeichen geformt, signalisierte der Nigerianer, dass es aufwärtsgeht. Dieses Grasriechen, wie es Fußballer nennen, dieses Teil-der-Gruppe-Sein, scheint sich am Horizont abzuzeichnen, so denn keine weiteren Rückschläge eintreten. 

Was in Köpenick aufmerksam verfolgt wird. Denn es stellt sich ja dieser Tage die Frage, ob Union wegen der Personallage im Sturm noch nachlegen muss angesichts der beiden anderen Langzeit-Verletzten Max Kruse und Joel Pohjanpalo. Sich darauf zu verlassen, dass beim bislang fünffachen Torschützen Taiwo Awonyi nichts passiert, wäre fahrlässig. Eine Rote Karte passiert schnell. Verletzungen gehören zum Berufsalltag. „Wir versuchen, möglichst schnell eine Lösung zu finden“, versprach jüngst Manager Oliver Ruhnert. Dabei muss Union sehen, was überhaupt geht. 

Back-up oder Vorgriff ist Ruhnerts Frage

Zwei Optionen haben die Eisernen: Ein Back-up nur bis zum Ende der Saison zu verpflichten, beispielsweise per Leihe. Oder einen Vorgriff auf einen Sommertransfer zu tätigen. 

Eine Option der zweiten Kategorie ist ein Akteur, der beim Kampf um den Goldenen Schuh sogar vor Robert Lewandowski liegt. Kasper Junker kam bei Norwegens Sensationsmeister FK Bodo Glimt auf 27 Tore, was ihm in der Wertung 40,5 Punkte bringt (Lewandowski hat 38 Zähler). Die Norweger müssten den Dänen wohl jetzt eincashen, da sein Vertrag in der kommenden Saison ausläuft und der 26-Jährige dann ablösefrei auf dem Markt wäre. 

Das Internetportal Tag24 übrigens wartet mit einer ganz anderen Lösung auf. Es bringt den schon im Sommer gehandelten Karlsruher Phlipp Hofmann ins Gespräch. Und da eine Transferperiode ohne tägliche Gerüchte langweilig wäre, hatte eine Gazette aus der Kochstraße sofort auch noch Paderborns Sven Michel auf dem Schirm. Der traf zuletzt im Pokal doppelt gegen die Köpenicker. Ob ein 30-Jähriger aber eine Zukunftslösung ist, kann bezweifelt werden. Und als Back-up ist er mit einer Ablösesumme von rund einer Million Euro zu teuer.