Oskar Kosche, Dirk Zingler und Dirk Thieme (v.l.) sehen der Entwicklung von Unions Stadionbetriebs AG optimistisch entgegen. imago/Matthias Koch

Die Pandemie hinterlässt ihre Spuren. Bei jedem Klub. So ist es auf den ersten Blick nicht so ganz verwunderlich, dass Unions Stadionbetriebsgesellschaft zum zweiten Mal in Folge nach der Spielzeit 2019/20 ein fettes Minus bei ihrer Heimspielstätte schreibt. Der Jahresfehlbetrag des Geschäftsjahres 2020/21 summiert sich auf 1.534.549,41 Euro. Rekordverlust! Das gesamte Minus beträgt jetzt um die 3 Millionen Euro und wurde ins laufende Geschäftsjahr übertragen. Das soll übrigens erstmals wieder einen Gewinn abwerfen, wenn auch nur im mittleren fünfstelligen Bereich.

Der rein wirtschaftliche Verlauf hinterließ schon die eine oder andere Sorgenfalte, räumte AG-Boss Dirk Thieme ein. Grundsätzlich sei die Stadion AG aber zu keinem Zeitpunkt existenzgefährdet gewesen. „Wir sind  zufrieden, alles wohlbehalten überstanden zu haben“, so Thieme dennoch. Neben der kontinuierlichen Bewältigung als Stadiondienstleister konnte auch der vollständige Erhalt des Personals gewährleistet werden. Und das in Zeiten eines grassierenden Fachkräftemangels, so Union-Boss Dirk Zingler stolz.

Kurzarbeitergeld wurde in Anspruch genommen

Dass die Personalkosten nur um fünf Prozent gestiegen sind, hefteten sich die Köpenicker als Blümchen ans Revers. „Wir halten die Mitarbeiter mit viel Emotionen und wenig Geld“, scherzte Zingler.

So erstaunlich es klingt: Die Stadion AG hätte sogar eine schwarze Null schreiben können. Aber um den Verein, offiziell Hauptmieter in der Alten Försterei, zu entlasten, wurde auf die Jahresmiete in Höhe von eben 1,5 Millionen Euro für die Spielzeit 2020/21 verzichtet. Über die Runden kam man dennoch. Auch, weil zu Saisonbeginn 2020 ein KfW-Kredit in Höhe von 2,5 Millionen Euro aufgenommen wurde. Auch staatliche Hilfe im Form von Kurzarbeitergeld trugen zum Geschäftsergebnis bei.

Zufrieden war man auch, weil die Stadion AG ja nicht nur die Spielstätte betreibt, sondern auch bei den künftigen Projekten wie der Erweiterung weiter vorangekommen ist. Auch da sind ja erhebliche, kostenintensive Vorarbeiten erforderlich. Gutachten oder Machbarkeitsstudien, um nur zwei Beispiele zu nennen, gibt es ja nicht für lau.

Neu im Aufsichtsrat der Stadionbetriebs AG: Katja Jösting. imago/Matthias Koch

Um in der Causa Stadionbau besser voranzukommen, wurde übrigens für die im Juli des Vorjahres verstorbene Dagmar Wildebrandt als Nachfolgerin Katja Jösting in den Aufsichtsrat der AG gewählt. Die Fraktionsvorsitzende der Linke in Friedrichshain-Kreuzberg, seit August 2013 bei Union und bei einem 3:2 gegen St. Pauli ordentlich mit Torjubel-Bierduschen getauft, ist hauptberuflich Diplom-Ingenieurin für Stadt- und Regionalplanung und war früher Mitarbeiterin bei Katrin Lompscher in deren Zeit als Senatorin für Stadtentwicklung. Jöstings erste Fußballliebe galt allerdings – elternseits bedingt – noch Stahl Riesa.

Jösting ist gut vernetzt

Sie wurde phasenweise sogar im Senat als eine Nachfolgekandidatin für Lompscher gehandelt, ehe die Wahl im August 2020 auf Sebastian Scheel fiel. „Verkehrswegeplanung, damit kenne ich mich mit aus“, meinte Jösting bei ihrer kurzen Selbst-Vorstellung in der Eisern Lounge mit einem Lachen. Ihre Vernetztheit in die Verwaltung und Politik sollte dem Projekt Ausbau der Alten Försterei eher nicht im Wege stehen.

Es wurde also Optimismus in Köpenick verbreitet. Trotz der harten Corona-Zeiten wird die Finanzlage der AG von den Protagonisten als stabil eingeschätzt. Die Liquidität, das führte Geschäftsführer Oskar Kosche aus, war jederzeit gegeben.

Eine Gefahr der Überschuldung sei trotz des geschrumpften Eigenkapitals ebenfalls nie ein Szenario gewesen. „Die Stadionbetriebs AG kann trotz Pandemie ihre Wirtschaftlichkeit nachweisen“, so Kosche. Die Talsohle wähnt man in Köpenick auf jeden Fall überwunden. Am Ende des Geschäftsjahres 2021/22 plant man mit einem Überschuss von etwas mehr als 40.000 Euro.

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