Timo Baumgartl (r.) und seine Union-Kollegen warfen gegen Thomas Müller und den FC Bayern alles rein, verloren dennoch 2:5.  Imago

Es war das 3G-Spiel der Eisernen. Gekämpft, gefightet, gebissen. Aber das vierte G, also das worauf es am Ende ankommt, ging nach München: G wie gewonnen. Der 1. FC Union unterlag dem FC Bayern mit  2:5 (1:3) und musste erstmals seit 21 Heimspielen im Ballhaus des Ostens mal wieder den bitteren Geschmack der Niederlage kosten.

Wenn man nicht ein Fußballspiel auf dem Rasen hätte verfolgen müssen, hätte man sich am Geschehen auf den Rängen in den ersten 15 Minuten nicht satt sehen können. Die Alte Försterei ein einzig wogend Meer aus Gesängen, fliegenden Armen und Begeisterung. Hüpfen. Klatschen. Freude pur. Ein Stadion – keine Arena! – on fire!

Union steckt gegen Bayern nicht auf

Dieser grenzenlosen Begeisterung zog Schiedsrichter Harm Osmers nach einer Viertelstunde zunächst den Stecker, als er zum Entsetzen der Eisernen nach einem fatalen Blockversuch von Paul Jaeckel auf den Punkt zeigte. Hart, aber vertretbar. Der Innenverteidiger hatte bei einem Schuss von Leroy Sané den Arm unglücklich zu weit ausgefahren. Robert Lewandowski ließ sich die Chance nicht entgehen und verlud Andreas Luthe. 1:0 für die Gäste (15.). Eine erste Antwort auf das Debakel in Mönchengladbach.

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Julian Ryerson traf für den 1. FC Union direkt nach seiner Einwechslung zum 2:3 und ließ die Bayern-Stars zittern.

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Denn das war ja die Frage vor dem Spiel gewesen: Wie die Münchner diese Blamage wegstecken würden? Sie kamen zwar nicht mit Schaum vor dem Mund, aber in dem Bewusstsein, die Kräfteverhältnisse in Deutschland wieder gerade rücken zu wollen.

Der Kampf David gegen Goliath schien früh entschieden, als Lewandowski nach einem Freistoß auf 2:0 erhöhte (23.). Nur kurz wurden die Eisernen danach hergespielt. War Sané kurz zuvor noch allein vor Union-Keeper Andreas Luthe gescheitert (34.), konnte er Sekunden später die Kugel doch über die Linie drücken zum 3:0 (35.).

„Ich glaube, die ersten 30 Minuten war wir gar nicht im Spiel. Das war dann auch ausschlaggebend. Ein 3:0 ist schon ein ordentlicher  Rückstand. Mit dem 3:1 sind wir ein bisschen zurückgekommen, aber die ersten 30 Minuten waren einfach zu wenig“, analysierte Christopher Trimmel hinterher die Gründe der Niederlage trefflich.

Unions Becker nur Millimeter im Abseits 

Thomas Müller fand spät die Lücke, traf für den FC Bayern gegen den 1. FC Union zum 2:5-Endstand.  Imago

Doch Union ist eben Union. Nico Gießelmanns Direktabnahme nach Zuspiel des nimmermüden Genki Haraguchi (43.) ließ die Ekstase auf den Rängen wieder aufflammen. Und wer weiß, was sonst noch so alles passiert wäre, wenn wenig später Sheraldo Beckers Anschlusstreffer zum 2:3 nicht wegen Abseits einkassiert worden wäre –eine Millimeterentscheidung! 

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Union zeigte nach Wideranpfiff weiter Rückgrat, bewies Moral.  „Das ist eben Union. Da gibt es kein Aufgeben“, so nochmal der eiserne Capitano. Selbst nach Kingsley Comans 4:1 (61.) mitten hinein in eine beachtenswerte eiserne Sturm- und Drangphase, ließen sich die Eisernen nicht schocken, stellten sogar durch Julian Ryerson den alten Abstand wieder her (65.). Thomas Müller durfte dann nach einem Konter den Schlusspunkt setzen (79.).

„Die zweite Halbzeit war in Ordnung. Da haben wir versucht, das Spiel offen zu halten.  Aber man muss auf dem Boden bleiben, das war Bayern München und heute haben sie es auch sehr, sehr gut gemacht“, lautete Trimmels Schlussfazit.

Also auch wenn es für das vierte G nicht reichte: Union, dieser Auftritt konnte sich sehen lassen. 

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