Schon eine Eiserne Legende: Christopher Trimmel. Foto: Imago/Contrast

Deutsche und Österreicher verbindet, wenn es um Fußball geht, so etwas wie eine Hassliebe. Zumindest was die Kicker angeht, die in den 42 Jahren der Teilung den Deutschen Fußball-Bund vertreten haben. Das mag in erster Linie an Cordoba liegen und der Schmach des damaligen Titelverteidigers bei der WM 1978 in Argentinien mit dem 2:3 vor allem gegen Hans Krankl. Damit war der K. o. nicht nur für die Mannschaft um ihren Kapitän Berti Vogts besiegelt, sondern auch für den Mann mit der Mütze, für Bundestrainer Helmut Schön.

Dass sich die beiden Nationalteams, das schwarz-rot-goldene und das rot-weiß-rote, vier Jahre später dafür umso prächtiger verstanden, als es im letzten WM-Gruppenspiel darum ging, Algerien eins auszuwischen und in Spanien gemeinsam in die nächste Runde einzuziehen, was beim deutschen 1:0-Sieg ziemlich unappetitlich gelang, steht auf einem anderen Blatt. Da war jeder sich selbst der Nächste und der weltweite Aufschrei nach der Schande von Gijon ging sowohl dem einen wie dem anderen sonst wo vorbei.

Diejenigen, die einst für den Deutschen Fußball-Verband um Tore und Siege spielten, haben gegen die Österreicher in sechs Spielen nur einmal verloren, das eine Mal dafür aber so, dass es vielen noch heute wehtut: Das 0:3 von Wien eine Woche nach dem Mauerfall hat der Generation um Matthias Sammer, Andreas Thom, Rico Steinmann, Rainer Ernst, Ulf Kirsten, Thomas Doll und Uwe Rösler die WM-Teilnahme vermasselt. Viel Zeit aber, dieser für die meisten einmaligen Chance nachzutrauern, blieb kaum jemandem. Es blieb nur das: Haken dran und nach vorn geschaut.

Was indes die Bundesliga angeht, haben die Deutschen mit ihrem Nachbarn im tiefen Süden ganz gute Erfahrungen gesammelt. Von Anfang an waren die besten Fußballer aus Wien und Graz, Salzburg und Klagenfurt, Linz und Innsbruck gern gesehen im deutschen Oberhaus. Nach Brasilianern (165) und Dänen (133) stellen mittlerweile 125 Spieler aus Ösi-Land das drittgrößte Kontingent aller Zeiten an ausländischen Kickern. Bereits im Bundesliga-Gründungsjahr 1963 kam mit Wilhelm Huberts der Erste von ihnen. Bei Eintracht Frankfurt, dem Gastgeber für den 1. FC Union am Sonnabend, war er einer von damals nur vier (!) Legionären insgesamt. Gerade aus der Alpenrepublik stammen jede Menge Top-Spieler: August „Gustl“ Starek, der dreimal in Folge Meister wurde, aber immer mit einem anderen Verein, 1967 mit Rapid Wien, 1968 mit dem 1. FC Nürnberg und 1969 mit Bayern München, dann Buffi Ettmayer, Josef Hickersberger, Kurt Jara, Toni Polster, Andreas Herzog, Bruno Pezzey bis David Alaba. Auch an Trainern aus Austria, die meisten mit dem berühmten Wiener Schmäh gesegnet, ist kein Mangel hierzulande: Ernst Happel, Max Merkel, Helmut Senekowitsch, Peter Stöger, Ralph Hasenhüttl, aktuell Wolfsburgs Oliver Glasner und Frankfurts Adi Hütter …

Dass einmal der 1. FC Union mit einem Könner aus dem Burgenland aufwarten könnte, gehört zu den Unwägbarkeiten des Fußballs und auch zu dessen Wundern. Dabei befindet sich Christopher Trimmel in guter Gesellschaft, denn er ist einer von 28 Österreichern, die in dieser Saison in der Bundesliga bisher eingesetzt wurden. Dass er bei den Eisernen zudem Kapitän ist (einer von zwei Ösi-Spielführern derzeit, der andere ist Leipzigs Marcel Sabitzer) und ein Anführer sowieso, tut den Männern aus der Alten Försterei ausgesprochen gut. Inzwischen ist daraus eine nahezu kultige Verbindung geworden. Und dass der Capitano als Rot-Weißer aus Köpenick eine feste Größe bei Nationaltrainer Franco Foda geworden ist – Trimmel muss aber, sonst hätte er die zweiwöchige Quarantäne bei Reisen nach Großbritannien an der Backe, am 25. März nicht mit zum WM-Quali-Spiel nach Schottland – und beim 2:1 gegen Köln sein erstes Tor in Deutschlands Eliteliga erzielt hat, macht die Sache nur noch besser. Oder auch: Wo der Piefke mit dem Ösi kann.

Inzwischen ist Trimmel 34 und die siebte Saison ein Eiserner. So lange hat er, abgesehen von seinem Ausbildungsverein USC Mannersdorf (kickt im Burgenland in der siebthöchsten Liga), nirgendwo sonst gespielt. Außerdem ist er nach dem Karriereende von Michael Parensen der dienstälteste Unioner. Über einen, der seinen x-ten Frühling erlebt, die EM-Endrunde neben dem Aufstieg in die Bundesliga als einen Meilenstein seiner Karriere vor sich sieht und mit dem es als Anführer ein zweites Mal am Klassenerhalt der Eisernen kaum noch was zu rütteln gibt, zu sagen, dass er sowieso und erst recht nach seinem Tor schon jetzt zu den Legenden der Rot-Weißen gehört, ist nicht zu sehr geklotzt.

Von Hassliebe, wie sie Deutsche und Österreicher im Fußball allgemein verbindet, kann zwischen den Eisernen und dem Burgenländer also keine Rede sein. Um es eher fesch auszudrücken, könnte man es gerade jetzt knackig machen: „Mei, des passt scho.“ – und damit wäre alles gesagt.