Völlig losgelöst: Grischa Prömel feiert in Köln seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 2:1 für die Eisernen. Ein seltenes Bild in dieser Saison. dpa/Rolf Vennenbernd

Die älteren Semester werden sich noch erinnern. Es gab da mal einen Trainer im Süden dieser Republik, der schwor auf Mittelfeldspieler. Der konnte gar nicht genug davon bekommen. Diese, sonst nix, war quasi seine Maxime. Im Gegensatz zu Pep Guardiola könnte Unions Trainer Urs Fischer fast darauf verzichten. Denn im Reich der Mitte herrscht bei den Eisernen eher ein Vakuum!

Klingt kurios, ist aber so. 22 Ligatreffer haben die Köpenicker erzielt. Die Buden teilen sich hübsch auf zwischen Angriff – normal und gut, wenn die Stürmer treffen, ist ja schließlich ihr Job – und Abwehr. Und das im Verhältnis 15 zu 7! Also fast 2:1! Die genaue Verteilung lautet dabei Tawio Awoniyi (9), Max Kruse (2) und Sheraldo, Becker, Kevin Behrens sowie Andreas Voglsammer (je 1). Für die Abteilung Defensive konnten sich Nico Gießelmann (3), Julian Ryerson (2) sowie Christopher Trimmel und jüngst gegen Leipzig Timo Baumgartl in die Schützenliste eintragen.

Einzig und allein Grischa Prömel – per Jobschreibung zwischen die Linien postiert – durchbrach diese Phalanx mit seinem Treffer beim 2:2 in Köln. Und weil der Name gerade fiel und die Gerüchteküche immer wieder etwas Neues hervorzaubert: Angeblich soll AEK Athen Interesse an Prömel zeigen. Der Vertrag des 26-Jährigen ist ja nur noch bis zum Sommer datiert.

Awoniyi schon mit 14 Buden in allen Wettbewerben

Doch zurück zum Thema Torgefahr und dass Union dabei in der Mitte ganz weit hinten steht. Denn dieses kuriose Faktum setzt sich quer durch alle Wettbewerbe fort. Im DFB-Pokal trafen nur Kruse (bei Türkgücü München) und in Mannheim Behrens (zweimal) sowie Awoniyi. Den man angesichts seiner Treffsicherheit wohl eher in Awo-Immer umtaufen sollte.

Auch im Europacup plus Qualifikation das gleiche Bild. Nur dass die Abteilung Attacke mit neun Buden (Awoniyi/4,  Behrens/2), Volgsammer/2, Kruse) da noch mehr die Nase vorn hat gegenüber ihren Defensivkollegen, die Trimmel und Ryerson als Schützen aufbieten können. Mittelfeldspieler? Auch hier Fehlanzeige auf der Anzeigetafel.

Robert Andrich fehlt Union

Doch anders als beim Werbeslogan der Neuköllner Gropius-Passagen („Erklären kann man das nicht“) gibt es hier durchaus ein paar Gründe zu nennen, warum bei 37 Buden das Mittelfeld nur einmal eingenetzt hat.

Da wäre beispielsweise der Abgang von Robert Andrich, der in der Vorsaison fünf Treffer markierte. Es ist aber auch dem System der Eisernen geschuldet, die bevorzugt mit einer Dreierkette daherkommen. Dadurch sind die beiden Außenverteidiger sehr offensiv aufgestellt, werden eher zu Flügelspielern mit Drang nach vorne und sollen laut Fischer ja auch in den Strafraum eindringen und dort für Abschlüsse sorgen. Man könnte sie also durchaus zu den Mittelfeldspielern zählen.

Nicht auszudenken, was wäre, wenn die Schaltzentrale aber durch die Bank jetzt noch Trefferqualitäten aufweisen würde ...

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