Unions Manager Oliver Ruhnert (l.) und Timo Baumgartl bei der Saisonabschlussfeier. Seinerzeit noch mit blonden Haaren bei dem Innenverteidiger. imago/Contrast

Für einen waschechten Schwaben hat er sich seiner Arbeitsumgebung schon gut angepasst. „Ik bleibe“, hatte Timo Baumgartl kürzlich in Berliner Mundart unter einen Instagrampost geschrieben, mit dem die Verlängerung seiner Ausleihe angekündigt worden war. Doch das ist beileibe nicht der einzige Grund, warum der Innenverteidiger des 1. FC Union dieser Tage Bewunderung erregt. Es ist eher sein offener Umgang mit seiner Krebserkrankung.

Zum Saisonende war bei dem 26-Jährigen ein Tumor im Hodensack entdeckt worden, der mittlerweile operativ entfernt wurde. Selbstmitleid? Nicht sein Ding. Der Blondschopf, eigentlich Defensivspezialist, ging das alles sehr offensiv an. Und machte dabei entsprechend Werbung für Vorsorgeuntersuchungen.

Timo Baumgartl nimmt sich selbst auf die Schippe

Natürlich sind da hinterher zahlreiche postoperative Maßnahmen erforderlich. Bestrahlungen und Chemotherapie sind ja nicht unüblich. Oft mit einhergehenden Begleiterscheinungen wie Haarausfall.

Damit hielt sich Baumgartl gar nicht lange auf, sondern handelte proaktiv. Beim Barber seines Vertrauens ließ er sich die blonde Matte scheren, stellte davon ein Video ins Netz und nahm sich am Ende auch noch selbst auf die Schippe. Ein ihm zugeworfenes Basecap zum Bedecken seiner Glatze fing er spielerisch auf, nur um es achselzuckend sofort wieder wegzuwerfen. So viel Humor muss man erst einmal draufhaben.

Doch auch in den Tagen danach ließ er die Umwelt an seinen Fortschritten teilhaben. Wiederholt stellte er Bilder von sich ins Netz. Ohne Lockenpracht barhäuptig am Strand. Mit seinem Hund am Wasser. Oder eben er selbst bei Expanderübungen. Alles, um anderen eben auch Mut zu machen.

In einem Video, das der 1. FC Union auf YouTube stellte, äußerte sich der Innenverteidiger ebenfalls: „Alle Prognosen sind positiv, von daher gehe ich auch positiv in die nächsten Wochen.“ Es sei keine einfache Zeit, „aber der Support ist unglaublich“.

Für die Eisernen ist es ja nicht das erste Mal, dass sie mit der bösartigen Krankheit konfrontiert werden. Erinnert sei hier nur an Benny Köhler, der 2015 an Lymphdrüsenkrebs erkrankte. Oder Lisa Görsdorf von der Damenmannschaft der Eisernen. Die 26-Jährige kämpfte sich sogar zwei Mal zurück.

Timo Baumgartl ist nicht der erste Krebsfall beim 1. FC Union

Union weiß also damit umzugehen. Und so war es schon unmittelbar nach der Diagnose von Baumgartl klar, dass sie ihn unterstützen würden und seinen Leihvertrag verlängern würden. Was Manager Oliver Ruhnert im Überschwang postsaisonaler Gefühle auch am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison vom Balkon der Tribüne aus verkündete. Etwas vorschnell, denn die tatsächliche Einigung mit der PSV Eindhoven ging erst dieser Tage über die Bühne.

Dass er wie Köhler und Görsdorf den Krebs besiegen wird, davon ist Baumgartl fest überzeugt. Und sein Umgang mit der Krankheit ist Vorbild für viele andere. „Ich freue mich auf die weitere gemeinsame Zeit und werde versuchen, so schnell wie möglich wieder auf dem Platz zu stehen“, hatte Baumgartl nach seiner neuerlichen Vertragsunterschrift erklärt.

Natürlich braucht es dafür Geduld. Vielleicht sogar bis zur Rückrunde. Aber die wird Union mit ihm haben. Und er mit sich selbst.

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