Laden zu, keine Gäste zu bedienen: Simone Gallaus traurig vor dem Café Coe. Foto: Mathias Koch

Dem Café Coe am unteren Ende der Bahnhofstraße in Köpenick, einem beliebten Treffpunkt für Union-Fans, geht es in Corona-Zeiten wie allen Lokalitäten: zu, keine Gäste, keine Einnahmen. Wenigsten kann Simone Gallaus, die das Coe zusammen mit ihrem Mann Mirko Lange betreibt, über Langeweile nicht klagen.

Vor und nach den Spielen der Eisernen war der Laden voll. Auch unter der Woche wurden hier gern Mollen gezischt oder die Kochkünste der Inhaber genossen. Es wurde getratscht über die Eisernen, die den Laden von vorn bis hinten dominieren. Jetzt ist tote Hose. Wie alle Wirte hofft auch „Mone“ händeringend, dass endlich, endlich in Berlin die Bierbars wieder öffnen dürfen. Sonst sieht es düster aus für eine Köpenicker Institution.

Keine Lizenz als Raucherbar 

Diese Hilfe ist nicht ohne, Mone! Denn sie macht Unioner froh. Liebevoll beseitigt Simone Gallaus weiße Flecken im Sammel-Heft.

Denn nicht mal ein Abverkauf durch eine Futterluke wurde dem Coe erlaubt. „Wir haben eine Lizenz als Raucherbar. Da ist das nicht gestattet. Obwohl wir die Räume dafür hinten extra abgetrennt haben und bei uns nicht heimlich gequalmt wird. Ein Mist, ich darf meinem Bruder in unserer Küche nicht mal ein Schnitzel braten“, ärgert sich Gallaus.

Die 40-Jährige suchte Ablenkung – und fand sie: Mone kümmert sich derzeit um all die Unioner, die es nicht schafften, ein Sticker-Heftchen voll zu kriegen. Statt Biergläser füllt Gallaus jetzt Unions Pandemieni-Alben.

„Schon als ein Supermarkt das Anfang Februar rausgebrachte, war mir klar, dass das ein Renner wird. Aber die Aktion war ja auf Berlin begrenzt. Ich habe da sofort an die Exiler gedacht. Die kommen ja nicht so oft nach Berlin und können es woanders nicht kaufen.“ Und so wurde Mone, die neben dem Coe momentan  als Aushilfs-Lehrkraft auch Söhnchen Harald zu beschulen hat, auch noch Sticker-Dealerin!

Die Motive sind sortiert und stapelweise mit Gummiringen fixiert (o.). Später füllen sie dann die Seiten des eisernen Supermarkt-Albums.
Foto: Mathias Koch

Kleiner Scherz. Frau Wirtin macht das umsonst: „Als Unioner hält man eben zusammen. So sind wir wenigstens gemeinsam einsam.“ Ihre neue Nebentätigkeit nahm schnell Fahrt auf: „Als ich erst mal damit angefangen hatte, meldeten sich auch viele hier aus Berlin und fragten nach bestimmten Nummern“, erinnert sich Gallaus an die Anfänge.

Unglückliche Unioner jubeln

Dank einer Starthilfe aus einem Rewe-Markt war Mone von Beginn an gut ausgestattet. Jetzt hat der Supermarkt die Aktion #wirwerdenewigkleben zwar abgeschlossen, aber für Gallaus ist noch lange nicht Schluss. Denn inzwischen schicken ihr einzelne Unioner und ganze Fanclubs Bildchen. Wie Erik Raasch, auch bekannt als Ritter Keule. Oder die Kubik-Elfen. „Da hat wirklich jeder mitgemacht, das war dufte.“

Und deshalb hat Mone mit der Aktion auch immer noch jeden Tag mehrere Stunden gut zu tun. Fängt an mit dem Öffnen des Briefkastens, geht über das erneute Sortieren der einzelnen Sticker auf viele kleine Stapel, dem liebevollen Bekleben der Alben bis hin zum Verschicken. Denn bekanntlich gibt es für Sammler kaum was Schlimmeres als weiße Flecken im Album. „25 Stück habe ich schon voll“, freut sich Gallaus.

Und auch viele bisher unglückliche Unioner jubeln: Mit Mones Hilfe kriegen auch sie ihr Pandemieni-Album voll.