Bei Union hat man Bock auf Europa-Cup! Imago

Nun also Europa! Dem 1. FC Union steht das längste Abenteuer außerhalb Deutschlands bevor. So weit wie diesmal ging es für die Eisernen nämlich noch nie bei ihren drei vorherigen Teilnahmen an einem europäischen Wettbewerb, auch waren sie so lange noch nie dabei auf internationaler Bühne. Bis zum 9. Dezember ist die Reise erst einmal terminiert, drei Tage später ist der 3. Advent und das Jahr 2021 dann bald vorbei.

Na gut, die bisherigen Trips der Köpenicker innerhalb des Kontinents sind, auch weil der Start im Wettbewerb der Pokalsieger 1968 ins Wasser gefallen ist, übersichtlich. Da wären zwei Sommerrunden im Intertoto-Wettbewerb und der Start vor 20 Jahren im Uefa-Cup. Beim ersten Mal, 1967 war das, die Eisernen hatten nach der Gründung des 1. FC Union gerade ein Spieljahr in der DDR-Oberliga hinter sich und mit der Jimmy-Hoge-Generation als Tabellensechster ein grandioses Debüt hingelegt, hießen die Gegner Union Teplice, GKS Katowice und BK Kopenhagen.

Blick auf die Wenzel-Statue und das Nationalmuseum auf dem Prager Wenzelsplatz. In der Goldenen Stad feiert Union den Start in seine Europa-Abenteuer. Imago

1986, die Asse hießen Wolfgang Matthies und Lutz Hendel, Ralf Sträßer und Uwe Borchardt, hatten es die Männer aus der Alten Försterei mit Bayer Uerdingen, Lausanne Sports und Standard Lüttich zu tun. Und dass es fast auf den Tag genau vor 20 Jahren zu Haka Valkeakoski (in Finnland wurde am 20. September gespielt) und danach zu Liteks Lovetsch nach Bulgarien ging, passierte gefühlt erst vorgestern.

Machen wir es wie Urs Fischer

Ein europäisches Acht-Spiele-Abenteuer – vor Slavia Prag, Maccabi Haifa und Feyenoord Rotterdam hat es bereits Kuopio PS gegeben – hatten die Eisernen noch nie vor der Brust. Womöglich, man wird ja träumen dürfen, kommt das eine oder andere Match hinzu … Ach, bleiben wir lieber vernünftig und im Herbst 2021, der allein durch die Tatsache, dass die Rot-Weißen dabei sind, sonnig zu werden verspricht. Machen wir das, was Urs Fischer, der Trainer, am liebsten macht, von Spiel zu Spiel denken.

Prag ist also das erste Ziel der Träume, die „Goldene Stadt“ mit ihrer wechselvollen Geschichte und ihrer einzigartigen Architektur aus Gotik und Barock. Wer einmal in der Metropole an der Moldau war, wird die Karlsbrücke nicht vergessen und nicht den Hradschin mit der Prager Burg, er kennt die einmalige mittelalterliche Rathausuhr, diese astronomische Aposteluhr aus dem Jahr 1410, ein grandioses Meisterwerk gotischer Wissenschaft und Technik, dazu den Wenzelsplatz, diese Flanier- und Einkaufsmeile, an deren oberem Ende der Heilige Wenzel von Böhmen patriarchalisch auf seinem Pferd thront. Von Schwejk, der als braver Soldat literarische Weltberühmtheit erlangte und sich „am Dienstag nach dem Krieg um sechs“ in seinem Stammlokal, dem „Kelch“, mit seinem Freund Woditschka zu einem ersten Smichower Starkbier nach dem Ende der k.u.k.-Monarchie verabredete, ganz zu schweigen.

Dichter als Prag ist für Union fast nichts

Das alles, Prag, der Hradschin, Schwejk, ist (Israel und Haifa aber kommen noch) gar nicht so weit weg. Ganze 350 Kilometer liegen zwischen der Alten Försterei und dem Sinobo Stadion, das die dortigen Fans in alter Vertrautheit lieber Eden Arena nennen. Müssen die Männer um Kapitän Christopher Trimmel zu einem Auswärtsspiel in der Bundesliga, hätten sie im Umkreis von 350 Kilometern kaum Gegner. Da sind die Blau-Weißen aus Charlottenburg, klar, außer ihnen die Leipziger Rasenfußballer und die VfL-Wölfe aus der Autostadt – fertig. Nach Dortmund, wo es am Sonntag zum nächsten Punktspiel geht, ist es deutlich weiter.

Ein „Heimspiel“ wird die Partie beim neunmaligen tschechoslowakischen und siebenmaligen tschechischen Meister trotzdem nicht, das steht fest. Irgendwie aber könnte man sich nach der beiderseitigen jüngeren Vereinsgeschichte als Brüder im Geiste treffen. Bevor Slavia mit dem Titel-Hattrick und dem jüngsten Gewinn des Doubles zurück in die Erfolgsspur fand, sprangen ausländische Investoren auf und wieder ab, und 2011, die Männer mit dem fünfzackigen roten Stern auf der weißen Hälfte ihrer Trikotbrust waren zwei Jahre zuvor noch Meister geworden, drohte der finanzielle Kollaps, der Entzug der Profilizenz und der Zwangsabstieg zu den Amateuren. Das kommt einem, hält man es mit dem 1. FC Union, seltsam bekannt vor.

Insofern sollte dieser Abend, zumal sich Rot-Weiß hier und Rot-Weiß da begegnen, ein eiserner Festtag werden. So oder so.

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