Union-Trainer Urs Fischer. Foto: Britta Pedersen/dpa

Es kann nur einen geben. Klar, doch fällt es in diesem Fall besonders schwer, sich gegen den einen oder den anderen zu entscheiden. Hansi Flick hätte diese Auszeichnung verdient, sicher, immerhin hat er die Bayern als begnadeter Starflüsterer zum Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Champions-League-Triumph geführt. Auf seine ganz eigene Art und Weise, eher leise als laut, in aller Bescheidenheit, die bei ihm nicht wie bei so manch anderem Kollegen gespielt ist.

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Aber wenn man es sich erlaubt, den Erfolg in Relation zu den vorhandenen Mitteln zu stellen, also die jeweilige Größe des Vereins und den jeweiligen Spieleretat als Vergleichsgröße mit in die Betrachtung aufnimmt, dann hat Urs Fischer in den vergangenen Monaten beim 1. FC Union ebenso Großartiges geleistet wie Flick. Ach was, Titel hin oder her: Der Fußballlehrer aus der Schweiz ist der Trainer des Jahres.

Fischer weiß, gestandene Profis für sich zu gewinnen

Es ist faszinierend, wie der 54-Jährige bei so vielen eine Leistungssteigerung herbeiführt. Es gab beispielsweise ja durchaus Zweifel, ob die Außenverteidiger Christopher Trimmel und Christopher Lenz das Zeug für die Bundesliga haben. Inzwischen zählen die beiden zu den Besten ihrer Zunft in der höchsten deutschen Spielklasse. Konzentriert und griffig sind die beiden in der Defensive, voller Schwung in der Offensive, wobei Trimmel auch noch als zuverlässiger Torvorarbeiter zu glänzen weiß.

Fischer hat immer an Robert Andrich geglaubt, bei dem lange Zeit in der Zweiten Liga gefangenen Profi die Leidenschaft geweckt und die Aggressivität in die richtigen Bahnen gelenkt. Der Coach wusste auch immer um die Qualitäten von Sheraldo Becker, ließ den Niederländer nicht fallen, nicht gehen, und bekommt jetzt das, was er sich vom lange Zeit so unglücklich wirkenden Außenstürmer immer erhofft hatte: mutige Tempodribblings und Flankenbälle, dazu ein breites Lächeln.

Einen Wandel muss man können, und nicht nur wollen

Im Grundsätzlichen wusste der Übungsleiter auch, dass er in der zweiten Saison nach dem Aufstieg nur mit einem veränderten Spielstil dem großen Zittern entkommen kann. Mehr Fußballspiel statt Fußballkampf sollte es sein, mehr Kontrolle, weniger Gutglück mit einem Stoßstürmer als Zielspieler. Aber auch so einen Wandel muss man können, und nicht nur wollen. Man muss es trainieren, muss es lehren können.

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Was Fischer bei Union leistet, ist jedenfalls durchaus vergleichbar mit dem, was Jürgen Klopp in seiner Zeit in Mainz vollbracht hat. Er bringt als leitender Angestellter und starke Persönlichkeit eine Mannschaft voran, aber auch gleich einen ganzen Verein, bringt Dinge in Bewegung. Wenngleich der 1. FC Union womöglich noch mehr Wachstumspotenzial hat als der FSV. Nicht auszudenken, wenn diese Entwicklung derzeit auch noch vom Enthusiasmus eines Stadionpublikums weitere Impulse erfahren würde.