Unions Präsident Dirk Zingler freute sich wie Bolle über den gelungenen Test mit Zuschauern und hofft, eine Vorreiterfunktion für die Liga übernehmen zu können. Foto: Matthias Koch

Man darf gespannt sein. Fußball-Deutschland schaute am Sonnabend nach Köpenick, wo die Fan-Kultur beim 2:1-Testspielsieg gegen Nürnberg ihr Comeback gefeiert hatte. 4500 Fans kamen in die Alte Försterei und bewiesen eindrucksvoll, dass Großveranstaltungen und Vorsichtsmaßnamen in Zeiten der Corona-Pandemie Hand in Hand gehen können.

„Man kann es gar nicht richtig beschreiben, ist ein unfassbar riesiger Unterschied“, bejubelte Routinier Christian Gentner das erste Match mit Fans seit über einem halben Jahr. Experiment geglückt, kann man sagen. Was auch das Gesundheitsamt in Köpenick den Eisernen bescheinigte.

Ein Vorbild also für den Rest der Liga? Ach mehr noch, für Konzerte oder andere kulturelle Veranstaltungen? Das erhofft sich zumindest Unions Präsident Dirk Zingler, der im Überschwang der Gefühle gleich mal ankündigte, auch beim Ligastart gegen Augsburg die vom Land Berlin erlaubten 5000 Besucher reinlassen zu wollen.

Das könnte zur Herausforderung werden, da nur 3617 Sitzplätze vorhanden sind und Stehränge bei Bundesligaspielen bis Ende Oktober von der DFL verboten wurden. Zingler will jene jedoch „nicht kampflos hergeben“. Es müsse möglich sein, Menschen zusammenkommen zu lassen und trotzdem auf den Infektionsschutz zu achten. Man müsse ja weiterleben. Auch mit dem Virus.

Pappkameraden aufzustellen, ist mir ein bisschen zu wenig.

Dirk Zingler stichelt gegen Max Eberl

Seine Begründung: „Wir lassen Menschen zusammenkommen und können eine Nachverfolgung garantieren. Aber im Alltag kommen Menschen permanent zusammen – ohne dass man es nachverfolgen kann. Wir sind dem normalen Leben weit voraus. Hier herrscht kein Risiko, sondern das Risiko herrscht im Alltag. In der Familie, bei der Arbeit.“

Dabei nutzte der 56-Jährige die Gelegenheit für einen Seitenhieb auf Gladbachs Sportdirektor Max Eberl. Dieser hatte die Union-Vorschläge einer mit Präventivtests gekoppelten Rückkehr in die Stadien jüngst kritisiert. „Unterstützung erwarte ich nicht, ich wünsche sie mir auch nicht. Wenn ich von Wettbewerbern Unterstützung bekomme, würde ich mir Gedanken machen, ob bei uns was nicht stimmt. Wir sind Wettbewerber. Meistens werden wir ja von den Menschen kritisiert, die selber nichts tun – außer Pappkameraden aufzustellen. Das ist mir ein bisschen zu wenig.“