Taiwo Awoniyi wird nachträglich mit einem Bild in der Alten Försterei verabschiedet.
Taiwo Awoniyi wird nachträglich mit einem Bild in der Alten Försterei verabschiedet. City-Press

Urs Fischer stand in den Katakomben der Alten Försterei. Vor ihm die Schar der hauptstädtischen Berufsberichterstatter. Und während er gerade dabei war, pflichtgemäß Rede und Antwort zu stehen nach dem 1:0-Sieg gegen Nottingham Forest, wurde er von hinten unvermittelt umarmt und hochgehoben.

Es waren zwei kräftige schwarze Arme, die ihn fest umschlangen. Und sofort brach Fischer in ein Lachen aus. „Taiwo“, meinte er nur und hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Awoniyi hatte sich von hinten an den Schweizer Fußballlehrer herangeschlichen, die Reporter beim Heranpirschen mit einem Finger über den Lippen gebeten, nichts von seinem Nahen zu verraten. Und nun standen die beiden sich gegenüber und quatschten miteinander.

Der 1. FC Union bleibt für Taiwo Awoniyi eine Herzensangelegenheit

War inhaltlich vielleicht ein bisschen oberflächlich. Denn lieber hätten sie sich ohne Augenzeugen unterhalten. Das merkte man. Aber es war für beide offensichtlich wichtig, dass man sich noch mal persönlich verabschieden konnte. Lachen! Herzen! Man spürte einfach, dass Union und Fischer für den Nigerianer nicht nur eine Durchgangsstation gewesen sind auf dem Weg nach oben. Sondern etwas, was tief drinnen steckt. Und für immer dort sein Zuhause haben wird. Egal wo Awoniyi künftig kickt.

Zu diesem Zeitpunkt war schon wieder das strahlende Lächeln auf Awoniyis Gesicht zu sehen, mit dem er die Alte Försterei zwei Jahre lang verzaubert hatte. Die Tränen, die er im Stadion nach seinem knapp 70-minütigen Einsatz vergossen hatte, waren getrocknet. Eine emotionale Achterbahnfahrt lag hinter ihm. Es war halt ein besonderer Moment für den Rekordtransfer der Eisernen gewesen, noch einmal in seinem Wohnzimmer vorbeischauen zu können.

„Für mich ist etwas Großes heute hier zu Ende gegangen. Das ist der Klub, bei dem ich eigentlich sein möchte. Aber ihr kennt den Fußball. Manchmal muss man einfach weiterziehen. Und trotzdem war es schön, noch mal hier zu sein“, machte Awoniyi aus seinem Herzen keine Mördergrube.

Awoniyi sicher: Unions Trainer Urs Fischer hat immer einen Plan für seine Spieler

Dass Union es schon wieder hinzukriegen scheint, einen großen Umbruch zu meistern, ist für ihn keine große Überraschung. „Sie haben immer einen perfekten Plan für die Spieler, die sie holen. Sie haben einen großartigen Trainer, der genau weiß, was er tut“, meinte Awoniyi, der Fischer einst als eine Vaterfigur bezeichnet hatte.

Auf den Papa muss er jetzt verzichten. Aber so ist das mit Kindern. Sie müssen sich ja mal abnabeln. Für Taiwo war der Zeitpunkt eben nach zwei Jahren in der Bundesliga. Jetzt muss er seinen Traum von der Premier League leben.

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