Simon Geschke verteidigte achtmal das Bergtrikot bei der Tour. Zugetraut hatte das dem Berliner kaum jemand.
Simon Geschke verteidigte achtmal das Bergtrikot bei der Tour. Zugetraut hatte das dem Berliner kaum jemand. dpa/David Stockman

Jürgen „Tutti“ Geschke wird es Sonnabend wieder wie allen in der großen Fan-Familie des 1. FC Union ergehen. Der Ex-Radsprint-Weltmeister fiebert nach 14 Tagen Pause dem Bundesliga-Start entgegen. Die Eisernen sind zu Gast bei Eintracht Frankfurt. Dabei ist so vieles ganz anders. Die Köpenicker treten als Tabellenführer beim Europa-League-Sieger an. Das lässt die Favoritenfrage ziemlich offen. Stellvertretend für die neue Rolle des 1. FC Union.

„Noch nie habe ich so beim Fußball gefiebert wie jetzt, wenn Union spielt. Ich habe bei den Spielen genauso schwitzende Hände wie im Sommer, als unser Sohn Simon das Bergtrikot der Tour der France trug“, legt Geschke Senior seine Gefühle offen. Irgendwie ist das, was im Sommer auf den Straßen Frankreichs passierte, ähnlich dem, was Union gerade in der Bundesliga abzieht.

Was Union abzieht, schaffte Geschke bei der Tour 

Simon Geschke fuhr auf der neunten Etappe des größten Rennens der Welt in das gepunktete Trikot des besten Bergfahrers. Jeder gönnte es dem Mann mit dem Rauschebart. Selbst die Kletterer der Szene. Gab doch niemand einen Pfifferling drauf, dass Geschke das Trikot lange behalten kann. Am Ende trug er es neun Etappen lang. So lange wie kein anderer Deutscher.

„Ich wollte den Kultschmuck der Tour unbedingt nach Paris tragen. Wahrscheinlich haben Fans und Experten gedacht: In den Pyrenäen wird er das Trikot los. Solche Gedanken habe ich bis ins tiefste Innere bei mir nicht zugelassen“, gewährt der 36 Jahre alte Radprofi einen Blick in seine Gefühle, wie er mit dem eigentlich Unmöglichen umging.

1. FC Union soll Platz 1 so lange wie möglich verteidigen

Auch für Union ist es eigentlich unmöglich, Platz 1 auf Dauer zu verteidigen. Und doch ist es das Ziel eines jeden Sportlers, immer zu gewinnen. Größter Gegner in solchen Fällen ist der Kopf. Simon Geschke weiß, wie man die Gedanken überlisten kann. „Jungs, bleibt eisern, denkt nur an das nächste Spiel: Wir sind Tabellen-Erster. Es hilft nur laufen, genaues Passspiel, Selbstvertrauen und kämpfen. Eure 122 Laufkilometer pro Spiel, Hochachtung, sie sind eine gute Voraussetzung möglichst lange von der Tabellenspitze die Konkurrenz zu grüßen.“ Simon glaubt an die Unioner, wenn er sagt: „Bis zur WM-Pause sehe ich euch vorn.“ Warum auch nicht, bei der Stimmungswoge, die derzeit durch die Wuhlheide schwappt.

Der frisch vermählte Simon lebt jetzt zwar in Freiburg und damit in einem anderen Fußball-Fluidum als in Berlin. Seine alte Liebe zu den Eisernen aus der Wuhlheide bewahrte er sich allerdings auch im Umfeld der Streich-Männer auf. „Ich bin zwar am letzten Berg der Tour auf dem Hautacam in 1520 m Höhe ganz knapp mein Trikot noch los geworden, aber ich hörte nie auf Stimmen, die da sagten, der schafft es sowieso nicht bis Paris mit dem Trikot. Ich bin bei jeder Etappe mit dem Willen aufs Rad gestiegen. Heute Abend bleibt das Trikot bei dir. Da ließ ich mich auch nicht von den 2650 Meter hohen Galibier abschrecken.“

Die Kopie wünscht er den Eisernen. Frei nach dem Motto: das nächste Spiel ist immer das schwerste. Urs Fischer wird’s gerne hören. Schließlich ist für den Coach die Tabelle doch erst nach dem 34. Spieltag so richtig interessant.

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