Filip Schnuppe und Lini Schreiter freuen sich über Sebastian Polters Spende in Höhe von 10.000 Euro. Foto: Ramona Braun

Was für ein Geldsegen für Unions „Eisern trotz Handicap“-Bewegung! Filip Schnuppe und seine Mitstreiterin Lini Schreiter kamen aus dem Staunen nicht heraus. Denn Sebastian Polter – beim Klub wegen der Gehaltsverzichtsaffäre in Ungnade gefallen – meldete sich von sich aus und wollte eine Spende in Höhe von 10.000 Euro überreichen.

„Das war unglaublich. Und kam völlig unerwartet. Aber Polti hatte immer schon ein großes Herz. Bei unser zweiten Handicap-Tour nach St. Pauli ist er ja morgens, um 5.30 Uhr, auf Krücken extra bei der Abfahrt vorbeigekommen und hat die Fans glücklich gemacht, weil er mit ihnen geplauscht hat“, sagte Schnuppe.

„Dieses Lächeln der Menschen, weil ich da war, war einfach schön. Die Fans wünschen sich Profis zum Anfassen, und damals habe ich mir gerne die Zeit genommen. Mit den Spenden wollte ich den Unionern und der Region einfach etwas zurückgeben für die vergangenen fünf Jahre“, erläutert Polter seine Beweggründe für die großzügige Spende. 

Diesen warmen Regen wollen Schnuppe und seine Mitstreiter für die nächste Handicap-Auswärtstour verwenden – wann auch immer die mit Fans stattfinden mag. Denn selbst wenn Corona derzeit keine Besucher zulässt, es werden ja auch wieder andere Zeiten kommen. Zudem sollen mit dem Geld zwei Rollstuhlschaukeln im FEZ Wuhlheide angeschafft werden. Polti übernimmt da für eine von beiden sogar die Patenschaft.

Ich lasse mich nicht verbiegen

Ex-Union-Stürmer Sebastian Polter

Dieser Tage ist der 29-Jährige übrigens erstmals seit seiner Ausbootung bei den Köpenickern an die Öffentlichkeit gegangen. In einem Interview bei Sport1.de nimmt er ausführlich Stellung zu seiner Situation, dem Abschied bei den Eisernen und seiner Vereinssuche: „Natürlich tut das weh und es tut mir schon auch leid, wie alles gekommen ist. Und ich hätte auch sehr gerne über den Sommer hinaus bei Union gespielt, weil mir dieser Klub einfach ans Herz gewachsen ist. Bei Union habe ich in meiner bisherigen Karriere die meiste Zeit gespielt. Und deshalb ist das natürlich nicht schön, das jetzt nicht mehr zu haben. Aber im Profifußball gehören Entscheidungen dazu und die müssen mal pro und mal contra getroffen werden. Es war notwendig, sich früh damit auseinanderzusetzen, dass es nicht weitergeht. Auch weil ich mich sportlich in einer viel wichtigeren Rolle sehe, als die, die mir Union in Aussicht gestellt hatte“, meinte der Blondschopf, der in diesem Sommer nicht verreist, sondern ausgedehnte Touren durch Deutschland zur Familie macht. 

Auch dass er in der ganzen Gehaltsverzichtsaffäre als der Buhmann rüberkam, hat er inzwischen verarbeitet und will jetzt auch nicht nachtreten: „Am Ende muss man zu einem Ergebnis kommen. Es gibt nie richtig oder falsch. In solchen Situationen wie mit mir und Union geht es immer darum, etwas gemeinsam zu entscheiden. Und wenn man keinen gemeinsamen Nenner findet, dann heißt das aber nicht, dass man sich nicht mehr in die Augen schauen kann. Ich lasse mich nicht verbiegen für irgendwelche Dinge, egal ob sportlich oder privat“, so der derzeit vereinssuchende Angreifer.

Polter sieht seine Spende nicht als Wiedergutmachung

Eine Situation, die er übrigens so nicht kennt. Normalerweise wusste er immer schon zum Saisonende, wohin die Reise weitergeht. Doch der Transfermarkt in Coronazeiten ist nun ein anderer.  „Es gab natürlich Gespräche mit Trainern und Sportdirektoren – über Skype oder Facetime. Ich muss ein gutes Bauchgefühl haben und direkt sagen können: ‚Okay, das passt von A bis Z‘. Kann ich in dieser Stadt leben, sehe ich mich da und kann da mit meiner Familie glücklich werden? Und dann ist natürlich die Frage legitim, welchen sportlichen Reiz dieser Verein hätte. Ich will nicht nur der Spieler XY sein. Ich möchte da nichts übers Knie brechen, sondern wohlüberlegt eine Entscheidung treffen“, so seine Begründung, warum die Suche nach einem neuen Klub sich noch etwas hinziehen könnte. 

Übrigens: Als Wiedergutmachungsaktion will der Zweitligarekordtorschütze der Köpneicker seine Spende ausdrücklich nicht verstanden wissen. „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich seit vielen Jahren schon Botschafter des Kinder- und Jugendhospiz in Wilhelmshaven bin. Das ist emotional nicht immer leicht, auch für die Eltern und Geschwister der Kids, die hoffen, dass alles wieder gut wird. Sie leben letztendlich von Spenden. Ich verdiene viel Geld, also kann ich auch etwas davon abgeben. Das mache ich aus Überzeugung und nicht, um Union etwas zu beweisen.“Den gleichen Betrag spendete Polter nach einer Information des Kickers auch noch an das Hospiz Köpenick.