Die Haare etwas länger der Wille unverändert groß: Sebastian Polter beim Training der  Eisernen. Foto: Matthias Koch

Berlin - Die Haare sind etwas länger geworden in der Coronakrise. Friseurbesuche sind auch für Fußballprofis in den Tagen des „Shut down“ nicht möglich gewesen. Aber sonst? Sonst ist Unions Publikumsliebling in den letzten knapp sechseinhalb Wochen ganz der Alte geblieben.

Na gut, vielleicht mit zweieinhalb Kilo weniger auf den Rippen durch seine Ernährungsumstellung. Polter verzichtet momentan ganz auf Fleisch. Aber seine Zuversicht und sein Humor sind unverändert.

Auch was seine Zukunft angeht. „Aue wird es bestimmt nicht. Da kriege ich Ärger mit Toni“, scherzte der 1,92 m große Angreifer. Kumpel Leistner, derzeit in Kölner Diensten, hat es als gebürtiger Dresdener ja nicht so mit den Erzgebirglern. Unabhängig davon werden die Veilchen Polters Gehalt kaum stemmen können.

Er war zu Zweitligazeiten der Spitzenverdiener bei den Köpenickern und auch, wenn sich das angesichts der Zugänge wie Neven Subotic oder Christian Genter geändert haben dürfte, ist Polters Lohntüte durch den Aufstieg ja nicht kleiner geworden.

Freundesduo Polter und Leistner

Erst einmal nebensächlich. Das Hier und Jetzt interessiert. Da ist Polter mit Leistner im ständigen Austausch über die Krise und die unterschiedlichen Bedingungen im Land. In Nordrhein-Westfalen sind schon Gruppen von bis zu zwölf Mann gestattet. „Hier habe wir noch nichts fußballspezifisches gemacht. Keine Zweikämpfe, kaum Torschusstraining mit einem Keeper drin oder mannschaftstaktisches“, verrät Polter.

Da wäre es bestimmt hilfreich, wenn die Corona-Sicherheitsabstände auch auf dem Feld einzuhalten wären. „Käme mir im Strafraum entgegen“, witzelte der Derbyheld, der nach dem 1:0 im Stadtduell im November noch mal gegen Hertha getroffen hat. Denn Keven Schlotterbeck hat ja in der Home-Challenge an der Konsole gegen die Blau-Weißen eingenetzt. Als Torschütze zeichnete ein gewisser Sebastian Polter.

Beste Eigenwerbung quasi. Die Polter ein klein bisschen nötig hat, wenn er Union nach Ablauf der Spielzeit den Rücken kehren wird. Die Corona-Krise wird das Gehaltsniveau zunächst drücken, nur Polter muss mit seinen jetzt 29 Lenzen sehen, wohin die Reise geht beim wahrscheinlich letzten großen Vertrag.

Da wäre er als Back-up für Robert Lewandowski bei Bayern am besten aufgehoben. Die haben ja angekündigt, dass sie bei Verträgen keinen Corona-Discount nutzen wollen. „Wäre nicht schlecht“, musste Polter bei dieser eher sinnfreien Idee lachen.

Ihm geht es jetzt um das Gesamtpaket von Familie, Einsatzzeiten und Kohle. Auch wenn durch Corona – die Vereine haben gerade andere Sorgen – gerade die Gespräche eher schleppend verlaufen. Doch in einem ist er sich sicher: „Arbeitslos werde ich im Juli nicht.“