Die Unioner Christopher Trimmel, Robin Knoche, Taiwo Awoniyi, Marvin Friedrich, Tymoteusz Puchacz und Timo Baumgartl (v.l.) jubeln nach dem Tor zum 0:1.  Foto: dpa

Es ist alles klar. Fragen über den Sieger in den Play-offs zur Conference League dürfte es zwischen dem 1. FC Union Berlin und Kuopio PS nicht mehr geben. Mit einem souveränen 4:0 (3:0) stoßen die Eisernen schon nach dem Hinspiel die Tür nach Europa ganz weit auf. Es ist ein Spiel ganz nach dem Geschmack von Urs Fischer, es ist: Schöner Siegen mit Union.

Union Berlin: Schick nach Europa

So hat man die Köpenicker und ihren Trainer noch nie gesehen. Fein gemacht für die Feiertage auf europäischer Bühne die Spieler, in feinem Zwirn der Coach am Spielfeldrand – die Männer aus der Alten Försterei haben sich herausgeputzt für ihr ganz spezielles Abenteuer. Sie wollen es in allen Zügen genießen und haben mit dem Hammer-Sieg erstens die Spannung aus der Quali für die Gruppenphase genommen und zweitens die Weichen für weitere „richtige“ Abenteuer gestellt.

„Ein 4:0 ist eindeutig“, sagt Kapitän Christopher Trimmel zufrieden, „aber es war auch anstrengend. Trotzdem haben wir vor allem in der ersten Halbzeit Vieles richtig gemacht, weil wir vor deren Hütte sehr konsequent waren.“ Kurzen Prozess machen sie mit dem finnischen Pokalsieger. Erst schickt Max Kruse mit feinem Doppelpass Tymoteusz Puchacz auf die Reise und der Taiwo Awoniyi in Abschlussposition – das schnelle wie überlegt herauskombinierte 1:0 (7.) sorgt für zusätzliche Sicherheit. Es läuft nach Plan für die Eisernen, die ruhig und risikolos spielen und den Gegner in allen Lagen beherrschen.

Die 300 bis 400 mitgereisten Fans („Ein tolles Gefühl“, so Trimmel) kommen aus dem Singen, Tanzen, Hüpfen nicht mehr heraus. Sie bejubeln Balleroberungen von Genki Haraguchi und Flügelsprints von Puchacz. Sie feiern vor allem einen Doppelschlag von Max Kruse nach Zuspiel von Awoniyi zum 2:0 (29.) und von Awoniyi nach Zuspiel von Kruse zum 3:0 (31.). Damit ist klar: 20 Jahre nach ihrem letzten Auftritt in Europa wuppen die Eisernen das Ding.

Union beginnt mit Öztunali und Puchacz

Es passt so gut wie alles. Da hat Levin Öztunali, gegenüber dem 1:1 zum Bundesliga-Auftakt gegen Leverkusen wie Puchacz neu in der Startelf, gute Akzente im Mittelfeld, da rettet Robin Knoche souverän, wenn die Gastgeber mit gelegentlichen Vorstößen vereinzelte Nadelstiche setzen. Selbst wenn die Eisernen gleich zwei Gänge zurückschalten, sie behalten die Übersicht und vor allem die Kontrolle.

Auch wenn die Auswärts-Torregel mit Beginn dieser Saison gekippt ist, sie wollen vor allem eines: Hinten soll die Null stehen. Sie steht, auch wenn sie ganz am Ende doch wackelt. Da kommen die Finnen, die eine ziemlich bunte Mischung stellen – in der Startformation stehen lediglich drei einheimische Spieler –, zu ihren einzigen Gelegenheiten. Erst zeigt sich Andreas Luthe gegen den Brasilianer Lucas Rangel auf dem Posten (89.), dann hat der Schlussmann das Glück auf seiner Seite, weil ein Kopfball von Henri Toivomäki an der Latte landet (90.).

Als ob es dieses Warnschusses bedurft hätte, drehen die Eisernen in der Nachspielzeit noch einmal auf und kommen nach feiner Vorarbeit von Cedric Teuchert durch Andreas Voglsammer zum 4:0 (90.+2). Es ist der Schlusspunkt unter eine durch und durch engagierte, konzentrierte und effiziente Vorstellung.

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Aber: Sie bleiben vorsichtig. „Es ist noch nicht vollbracht“, sagt etwa Doppelpacker Awoniyi, „aber einen wichtigen Schritt, um es in Berlin zu vollenden, haben wir vor allem in einer guten ersten Halbzeit getan.“ Daran, dass es am Donnerstag ab 20.30 Uhr im Olympiastadion klappt, sollte indes niemand mehr zweifeln.