Sheraldo Becker feierte seinen zweiten Saisontreffer, der Union in Bremen auf die Siegerstraße brachte. Foto: City-Press/Matthias Renner

„Wir reden viel darüber. Jeden Tag, über die Positionen, die Bewegungsabläufe. Aber wir können es noch besser. Und daran arbeiten wir. Schritt für Schritt.“ Klingt nicht sonderlich aufregend, was Sheraldo Becker da nach dem 2:0 in Bremen über sich und seinen Sturmpartner Taiwo Awoniyi von sich gab. Und doch sind diese kleinen Schritte, die derzeit bei den Eisernen zu beobachten sind, megaaufregend. Einmal mehr zeigte sich Union hellwach, bewies an der Weser erneut  seine Blitzstarterqualitäten - schon acht Treffer in einer Anfangsviertelstunde - und entführte mit den Zählern 22 bis 24 drei weitere Zähler aus der Hansestadt.

Niemand ist darüber glücklicher als der Niederländer, der im Sommer manch einem Zeitgenossen schon als Fehleinkauf galt. Dass Marvin Friedrich nach seinem 100.  Pflichtspieleinsatz für die Eisernen in der Elf des Tages aufgeführt wird, ist bei den Köpenickern ja schon fast Alltag. Aber Becker? „Wir waren heute einfach gut organsiert“, blieb er bescheiden und zollte seinen Kollegen ein Kompliment. 

Es war nicht nur das Tor, mit dem er Union in Führung gebracht hatte (11.), das zeigte, wie weit der 25-Jährige sich inzwischen entwickelt hat. Unmittelbar vor der Führung war er es, der dem aufrückenden Robin Knoche per Handzeichen signalisierte, wohin der die Kugel passen möge. Das danach folgende Kreuzen ermöglichte Awoniyi erst, ihn freizuspielen  und dann vom 16er aus cool zu vollenden. Auch am zweiten Treffer hatte er seine Aktie. Dadurch, dass er Marco Friedl an der Außenlinie hart am Rande der Legalität bedrängte, verursachte der Bremer erst den Fehlpass in die Füße von Robert Andrich, der dadurch Awoniyi auf die Reise zum 2:0 schicken konnte. Becker und Abwehrarbeit? Das waren lange Zeit verschiedene Welten.  

Schnell, schneller, Sheraldo! Dass er sprinten kann, ist bekannt. Die Bundesligadatenbank von ran listete ihn vor Weihnachten mit einer Spitzengeschwindigkeit von 35,2 km/h auf Rang vier der schnellsten Spieler in dieser Spielzeit. Doch mittlerweile ist er nicht mehr nur pfeilschnell unterwegs, wovon er  in Halbzeit noch einmal eine Kostprobe ablieferte, als er Awoniyi vom linken Flügel aus eine Chance auf ein mögliches 3:0 (70.) auflegte, sondern er ist auch taktisch gereift. 

Becker lässt sich indes nicht von der Tabelle beirren. Alles nur eine schöne Momentaufnahme. „Wir freuen uns natürlich sehr über die Punkte. Aber wir denken von Spiel zu Spiel. Wo das endet, das können wir am Ende der Saison sehen“, zeigte Becker Bodenhaftung. 

„Irgendwann muss es Klick machen“, hatte Manager Oliver Ruhnert in der Sommervorbereitung an Becker eine deutliche Forderung gerichtet. Das hat es offenbar. Sheraldo ist Beckers Bester für Union.