Da ist das Ding! Ronny Nikol präsentiert den Fans von Union Berlin den Siegerpokal beim AOK-Traditionsmasters 2018. Imago

Der 1. FC Union hat einen Meilenstein in seiner Vereinshistorie gesetzt: Rang 7 in seinem zweiten Jahr in der Bundesliga, als einziges Team gegen Bayern München nicht verloren, in letzter Sekunde den Vizemeister geputzt und die Play-offs für die Europa Conference League geschafft. Wegbegleiter, Haudegen von einst und Sympathisanten ziehen ihr ganz persönliches Fazit. Heute: Ronny Nikol.

So schnell wird sich wahrscheinlich niemand an diese einzigartige Saison, die der 1. FC Union gerade hinter sich gebracht hat, gewöhnen. „Mir fehlen fast die Worte“, sagt selbst Ronny Nikol (46), einer der Helden um die Jahrtausendwende herum, der mit den Eisernen jede Menge Höhepunkte erlebt hat. Damals, als die Männer aus der Alten Försterei mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga, dem Vordringen ins DFB-Pokalfinale und dem couragierten Auftritt im Europapokal das erste Mal republikweit für Furore gesorgt hatten.

Der Mann, der sechs Jahre die linke Außenbahn beackert hat, kommt aus dem Staunen nicht heraus: „Was sich in den vergangenen Jahren entwickelt und mit Platz 7 seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden hat, ist das der blanke Wahnsinn.“ Dabei fühlt er sich selbst nach 228 Pflichtspielen für die Eisernen weiterhin als Teil dieser Familie. „Na klar bin ich stolz darauf“, versichert er, „weil ich ja selbst einmal dazugehört habe.“

Lesen Sie auch: Ex-Unioner Jörg Heinrich: Sogar beim BVB ziehen alle vor den Eisernen den Hut >>

Ronny Nikol verteilt dickes Lob an Unions Führungs-Trio

O. Behrendt
Legendär: Ronny Nikol im DFB-Pokalfinale 2001 gegen Schalkes Gerald Asamoah. 

Der Oldie, der sein Können regelmäßig im rot-weißen Traditionsteam zeigt, findet jede Menge gute Worte für seine Nachfolger. „Es gab jede Saison, und das schon über viele Jahre, eine Steigerung. Das zeugt von solider Arbeit auf allen Ebenen. Es gibt nicht viele Vereine, die das so gewuppt haben.“

Von Boss Dirk Zingler („Ein Vorzeigepräsident“) über Manager Oliver Ruhnert („Er hat ein Näschen für neue Spieler“) bis zu Trainer Urs Fischer („Die Ruhe in Person, ihn kann nichts aus der Fassung bringen“) reicht die Reihe jener Männer, die für den ehemaligen Mittelfeldspieler gemeinsam als Väter des Erfolges gelten und für die Grundlagen des außergewöhnlichen Abschneidens sorgten. Das fasst Nikol in diesem schlichten Satz zusammen, der jedoch das Wesen ausmacht: „Man merkt, dass es innerhalb der Mannschaft und auf den Ebenen drumherum stimmt, sonst würde es nicht jedes Jahr diese Steigerung geben.“

Ronny Nikol staunt über Unions spielerische Qualität 

Matthias Koch
Einmal Unioner, immer Unioner: Torsten Mattuschka, Ronny Nikol, Karim Benyamina, Michael Parensen (v. l.) feierten 2019 den Aufstieg der Eisernen im Rathaus von Köpenick.

Diesen Höhenflug hat auch Nikol nie und nimmer voraussehen können. „Wir wissen doch“, erinnert er an die Ausgangslage, „wo und wie Union zu Saisonbeginn angesehen wurde, als Abstiegskandidat Nummer 1. Jetzt ist, auch wenn im letzten Spiel mit ein wenig Glück, Platz 7 herausgekommen. Das ist unglaublich.“ Dabei weiß er wie jeder, „dass man sich dieses Glück erarbeiten muss, und zwar nach Möglichkeit in 34 Spielen.“

Noch unerwarteter als die Qualifikation für Europa kommt für den Haudegen die Qualität der Spiele. „Es war schön anzusehen, dass die Mannschaft mit Ausnahme von vielleicht zwei oder drei Spielen dem Gegner auch spielerisch Paroli geboten hat“, erkennt Nikol hoch an, „und das während Corona, also ohne Zuschauer, wobei man weiß, dass Union eigentlich eine Mannschaft ist, die die Zuschauer braucht, die von ihrem 12. Mann besonders zehrt.“

Lesen Sie auch: 68er-Pokal-Held Uli Prüfke: In die Alte Försterei zog Schönheit ein >>