Robin Knoche stürzt sich wie immer mutig ins Getümmel.  Foto: City-Press/Matthias Renner

„Es ist kein schönes Gefühl für mich, es tut weh.“ Zehn Wörter nur. Aber mit diesen fasste Robin Knoche im Sommer vergangenen Jahres zusammen, wie es um seine Gefühlswelt stand, als bekannt wurde, dass er und der VfL Wolfsburg nach 15 gemeinsamen Jahren getrennte Wege gehen würden. Am Sonnabend gastieren die Wölfe im Stadion An der Alten Försterei (15.30 Uhr), und es gehört nicht viel Fantasie dazu sich vorzustellen, dass das für den 28-Jährigen kein Spiel wie jedes andere werden wird. 

Über das Warum und Wieso der Scheidung gab es bislang nicht so viel Aufklärung. Ob es die Laufzeit war, das Geld, der Wunsch nach noch mehr Qualität im Kader der Niedersachen? Ob es clever ist, bei so einem Kunstprodukt, das händeringend der Identifikationsfiguren bedarf, wirklich auf ein Eigengewächs zu verzichten, lassen wir einfach mal so im Raum stehen. Immerhin, Knoche zeigte sich als echter Teamplayer und wusch öffentlich keine schmutzige Wäsche.

Knoche macht Friedrich besser

Es ist aber auch vielleicht müßig, sich darüber jetzt noch den Kopf zu zerbrechen, warum eine Ehe nach eineinhalb Dekaden mit immerhin 181 Einsätzen für die VW-Werksmannschaft auf einmal in die Brüche ging. Fakt ist schlichtweg, dass die Vertragslosigkeit von Knoche Unions Manager Oliver Ruhnert auf den Plan rief und der Innenverteidiger ablösefrei in Köpenick anheuerte. 

Viel ist in den letzten Wochen über die Entwicklung eines Marvin Friedrichs geredet worden. Diese will sein Trainer Urs Fischer garantiert nicht bestreiten. Aber der Schweizer Fußballlehrer verweist auf einen anderen interessanten Aspekt, wenn es um sein Kopfballungeheuer geht. Der habe sich verbessert wegen Knoche! 

„Ich glaube er gibt der Mannschaft Halt. Wir profitieren auch von seiner Erfahrung. Die Entwicklung von Marvin hat auch mit Robin zu tun. Aber auch er profitiert von seinen Mitspielern und fühlt sich sehr wohl hier bei uns. Das sieht man dann auch entsprechend auf dem Platz“, so Fischer über den 28-Jährigen.

Langjährige Wegbegleiter halten den gebürtigen Braunschweiger für einen der unterschätztesten Abwehrspieler der Liga, loben dessen Fähigkeit auch unter Druck nach spielerischen Lösungen zu suchen und diese dann auch zu finden. Im Spielaufbau ist er ein zuverlässiger Gestalter. Der einleitende Pass vor dem 1:0 in Bremen war von solcher Präzision, dass Textilvergehen-Autor Sebastian Fiebrig diesen am liebsten heiraten möchte.

Knoche redet nicht viel oder brüllt theatralisch auf dem Platz, sondern hilft den Kollegen mit kurzen und präzisen Anweisungen. Seine Geschwindigkeitsdefizite macht er mit einem hohen Maß an Spielintelligenz wett. Und eigentlich - siehe auch Fischers Aussage - jeden seiner Mitspieler ein Stück weit besser. 

Es sollte nicht weiter groß verwundern, wenn Ruhnert als umsichtiger Kaderplaner eine vorzeitige Vertragsverlängerung mit dem 1,90 m großen Abwehrrecken auf der Agenda stehen hat. Denn verletzungsfrei, wie er ist, und so wie er für den Fußball lebt, sollte kein Zweifel dran bestehen, dass er noch weitere Jahre in der Bundesliga seinen Mann stehen wird.