Was wurde gesagt? Nationalspieler Nadiem Amiri (M.) und Florian Hübner (rechts verdeckt) liefern sich ein hitziges Wortgefecht. Foto: imago-images/Matthias Koch

Als hätte dieses Wochenende nicht schon genug Ärger für Florian Hübner bedeutet, kam es am Montag noch knüppeldick. Nach einem heftigen Zweikampf musste der Verteidiger des 1. FC Union das Vorbereitungstraining vor dem Auswärtsspiel bei RB Leipzig (Mittwoch, 20.30 Uhr) abbrechen und ins Krankenhaus gebracht werden. „Er ist auf dem Weg in die Charité“, bestätigte Trainer Urs Fischer, merklich in Sorge darüber, dass sein Innenverteidiger längerfristig ausfallen könnte.

Dabei hatte sich der Aufstiegsheld der Eisernen nach einem enttäuschenden Hinrundenbeginn mit nur einem Einsatz zuletzt wieder in die Startelf gespielt, die letzten drei Spiele über die komplette Spielzeit bestritten. Ein erneuter Rückschlag wäre das Letzte, was Hübi jetzt gebrauchen kann.

Naja, vielleicht das Vorletzte. Denn das Letzte war viel mehr, was am vergangenen Wochenende auf den 29-Jährigen eingeprasselt ist. Nach dem 1:0 gegen Leverkusen hatte Gästeverteidiger Jonathan Tah öffentlich behauptet, ein Spieler der Eisernen habe Bayer-Nationalspieler Nadiem Amiri als „Scheiß-Afghanen“ rassistisch beschimpft. Weil Hübner sich wenige Minuten nach dem Spiel bei Amiri entschuldigte, war der „Schuldige“ schnell gefunden.

Doch nach Recherchen des KURIER hat es die Hübner vorgeworfene rassistische Beleidigung gar nicht gegeben. Ein Wortgefecht zwischen Amiri und Hübner, das gab es. Und von beiden Seiten, so heißt es, seien Sätze gefallen, die schon kurz darauf bereut wurden, weshalb es auch zur erwähnten Aussprache nach Spielschluss kam. Doch weil sich der konkrete Vorwurf des Rassismus weiterhin nicht erhärten oder gar bestätigen lässt, bekräftigte auch Union-Sprecher Christian Arbeit: „Natürlich erwarten wir, dass so ein Vorwurf auch belegt werden kann. Niemand hat bislang etwas dahingehend gehört. Wenn es jemanden gibt, der diese Worte konkret vernommen hat, soll er sich melden.“

Dennoch: Hübner war plötzlich ein Rassist, obwohl selbst Bayer Leverkusen in einer Pressemitteilung nach dem Spiel lediglich von einer Beleidigung, keinesfalls aber von einer rassistischen Beleidigung sprach. Und für Sportchef Rudi Völler war das Thema am Sonntag bereits „erledigt“. Wäre es das, wenn Hübner Amiri tatsächlich rassistisch angefeindet hätte?

„Es beschäftigt Florian, es beschäftigt uns alle. Klar, es wird jetzt geklärt. Aber es geht ihm schon nahe“, erklärte Urs Fischer am Montag. Noch in dieser Woche beschäftigt sich der DFB-Untersuchungsausschuss mit dem Vorfall, auch die Eisernen dürften die Vorwürfe für ihren verdienten Spieler so nicht stehen lassen wollen und sich noch einmal äußern.