Das geht zu weit: Durch diesen Doppelhalter gegen Dietmar Hopp sind jetzt Union-Fans ins Visier der Polizei geraten. dpa

Zurück in den Alltag? Natürlich nicht nach dem Eklat beim Spiel der Eisernen gegen Wolfsburg (2:2). Business as usual ist nicht. Schon am Abend hatte Präsident Dirk Zingler sich mit einer deutlichen Stellungnahme gegen die Schmähplakate gegen Hoffenheims Mehrheitseigner Dietmar Hopp zunächst an die rund 35 000 Mitglieder und wenig später auch an die Öffentlichkeit gewandt.

Unions Boss fordert eine differenzierte Sichtweise auf die Vorgänge beim Spiel, macht aber auch unmissverständlich klar: „Die Diffamierung von Menschen verurteile ich aufs Schärfste, so etwas ist nicht tolerierbar“, so Zingler.

Schon seit Sonntagabend sind die Eisernen laut Pressesprecher Christian Arbeit bereits in ernsten und deutlichen Gesprächen mit der Ultragruppierung Hammerhearts, die sich mit einer Stellungnahme auf ihrer Homepage zu dieser bundesweiten Aktion unter Ultras bekannt hatten.

Sanktionen – so es sie gibt – wird Union nicht öffentlich machen. Auszuschließen sind sie aber nicht, doch es war noch nie die Art der Eisernen, schwarze Schafe in ihren Reihen öffentlich zur Schlachtbank zu führen. „Dieser ganze komplexe Vorgang ist nicht mit dem altbekannte Reflex ,alle raus’ abzuhandeln. Das war noch nie unser Ansatz“, so Arbeit weiter.

Eskalationsstufe eins zu früh

Mag man gut finden oder nicht. Dabei bleibt es aber nicht. Die Polizei hat nach den Fadenkreuzplakaten mit Hopps Konterfei drauf Ermittlungen aufgenommen. Es werde gegen Unbekannt „wegen des Verdachts der Bedrohung im Zusammenhang mit einem Spruchband und einem Porträtplakat“ ermittelt, sagte ein Polizeisprecher. Es werde untersucht, ob die Plakate den Tatbestand der Bedrohung erfüllen würden und wer die Plakate gezeigt sowie angefertigt habe.

Schiedsrichter Bastian Dankert hatte nach Meinung vieler Beobachter schon bei den ersten Bannern zu früh die Eskalationsstufe eins gezündet, obwohl es da noch keine Beleidigungen gegen Hopp gab. Lediglich drastisch formulierte Kritik am DFB. Nach dem Fadenkreuz und dem Banner „Hurensohn“ wurde die Partie für knapp zehn Minuten unterbrochen. Aus anderen Ecken des Stadions hallten der Waldseite „Aufhören“-Sprechchöre entgegen. Der Rest des Spiels ging dann ohne weitere Zwischenfälle über die Bühne.

Aber: Was wäre passiert, wenn irgendein Wirrkopf gar noch einen Pyro gezündet hätte? Oder weitere Spruchbänder aufgetaucht wären? So verunsichert, wie die Unparteiischen derzeit sind, wäre in der aufgeheizten Gemengelage auch ein Spielabbruch bei dem nach dem Abpfiff emporgereckte Schriftzug „Jahrelang die Kritik überhört, nun an Ausfälligkeiten gestört“ denkbar gewesen.

Besteht womöglich die Gefahr einer Spaltung der vielbeschworenen Union-Familie? Christian Arbeit befürchtet das nicht: „Wenn man das alles laufen ließe, da könnte es soweit kommen. Aber die Art und Weise, wie am Sonntag schon erste Gespräche untereinander geführt wurden, zeigt, dass die Einheit unseres Stadions  eine Qualität ist. Das wissen sehr viele zu schätzen und werden dafür kämpfen. Dazu gehört manchmal solidarisch zu sein mit Positionen, die man nicht zu 100 Prozent teilt. Und manchmal gehört eben auch dazu, sich abzugrenzen und zu sagen, da bin ich nicht eurer Meinung.“