Unions Urs Fischer und Hertha-Coach Pal Dardai gelten beide als nüchterne Pragmatiker, die mit Fan-Folklore nicht so viel anfangen können. imago images/Contrast

Frei nach Britney Spears: Kups they did it again! Erneut machen sie voll auf Understatement. Das Ding sei noch nicht durch, betont jeder beim 1. FC Union. Doch die Eisernen haben die Gruppenphase der Conference League so gut wie sicher. Nach dem 4:0 im Hinspiel gegen Kuopion PS geht es am Donnerstag ab 20.15 Uhr (RTL Nitro) noch um den Vollzug.

Alles zum Gähnen, also? Mitnichten! In der Stadt brodelt es. Unterschwellig. Aber es brodelt. Und das alles nur, weil die Eisernen umziehen müssen und nicht in der heimischen Försterei gegen den finnischen Pokalsieger kicken dürfen. Union müht sich zwar, den Rivalen aus dem Westend nicht zu provozieren – so bleibt die Ostkurve und damit das Hardcore-Hertha-Herz leer und die Eisernen nehmen die Gästekabine zum Umkleiden –, doch das geht scheinbar ein wenig unter.

Selbst harmlose Stimmungsclips, in denen die Eisernen ihr im Sonnenschein flatterndes Banner im Olympiastadion zeigen, gehen den Blau-Weißen unter die Haut.

Leuchtendes Rot gegen mattes Blau

Da ist es Wasser auf die Mühlen, dass Union sich das Stadion festlich herrichtet. „Natürlich wird das leuchtende Union-Rot dort die dominierende Farbe sein“, verkündeten die Köpenicker forsch. Bilder des umdekorierten Spielertunnels taten ihr Übriges. Leuchtendes Union-Rot, überall. Das Hertha-Blau kommt eher blass daher. Und das fahle Licht der roten Liga-Laterne lässt auch nicht gerade Jubelstimmung bei den Charlottenburgern aufkommen.

Der von manchen herbeigefaselte Machtwechsel im Berliner Fußball ist aber Blödsinn. Union hat die mit 375 Millionen Euro Investoren-Geld alimentierte Hertha als Nummer eins in der abgelaufenen Saison zwar auf dem Rasen weit hinter sich gelassen. Doch das ist eine Momentaufnahme. Da muss noch viel mehr Wasser die Spree runterfließen, ehe sich das zementieren könnte.

Entspannter geht Pal Dardai die Sache an. „Es ist ein bisschen ein komisches Gefühl. Aber wir drücken die Daumen. Sollen sie erfolgreich sein und von mir aus bis zum Finale das Stadion nutzen“, so der Chefcoach der Blau-Weißen. Wie so viele seiner Zunft kann er mit Folklore und Fangedöns nicht so viel anfangen. Die große Rivalität werde ohnehin nur von außen aufgebauscht, meinte er.

Nun ja. Seit dem ersten Bundesligaderby 2019, als Raketen aus dem Hertha-Block in Köpenick auf die Heimbesucher abgeschossen worden waren, ist die Stimmung frostig geworden. Die Tatsache, dass Union gegen die Finnen Herthas 18.241 Zuschauer gegen Wolfsburg übertreffen wird, sieht manch einer schon als Demütigung. Zumal die Köpenicker betonen, im städtischen Olympiastadion zu spielen. Mit keiner Silbe wird Hertha genannt. Unerwähnt bleibt auch, dass man nur zur Untermiete spielt. Der Konter aus dem Westend folgte prompt: „Wenn die Not haben, sollen sie es nutzen, aber den Rasen bitte nicht kaputt machen“, befahl Dardai.

Auf Twitter kursiert schon ein lustiges Bildchen mit einem weißen T-Shirt und dem blauen Aufdruck „Hauptmieter Hertha BSC“, der das Olympiastadion umrahmt. Dazu gibt es die klare Ansage: „Rückgabe nur renoviert.“

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