Der Schuss ins Glück: Unions Marcus Ingvartsen trifft zum 1:1 bei den Bayern. Foto: Imago/Matthias Koch

Da war sie, diese eine Chance. Kurz nach dem Ausgleich. Eine wunderbare Hereingabe von links von Cedric Teuchert. Aufreizend kullert die Kugel durch den Bayernstrafraum. Ein Helmut Rahn aus dem Hintergrund hätte jetzt gut getan wie weiland 54. Der Ball rollte. Vorbei an Freund (kein Weißer in Sicht) und Feind (die Roten waren heilfroh, dass da kein Unioner im Rückraum lauerte) und die Chance auf die Sensation war vorbei.  

Wäre vom Spielverlauf her auch ein bisschen viel gewesen. Das Remis geht schon in Ordnung, ist sogar ein bisschen schmeichelhaft, wie Trainer Urs Fischer hinterher einräumte. Doch ein 1:1 in München ist aller Ehren wert. Und zweimal in einer Spielzeit ungeschlagen gegen den Rekordmeister zu bleiben, das kann auch nur Union sich ins Klassenbuch eintragen. Gladbach hat noch die Chance dazu, alle anderen wurden vom Branchenprimus geputzt. Auch dieses Marketingprodukt aus der Nähe von Markranstädt nicht. 

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Für Edition Nr. 3 konnten wir Christoph Biermann als Autor gewinnen. Der renommierte Journalist gibt Antwort auf die Frage: Wer sind die eigentlich, diese Unioner? Wir haben mit Kapitän Christopher Trimmel gesprochen, der Einblicke in sein Privatleben gibt. Und wir statteten Professor Bernd Wolfarth und seinem Kollegen Clemens Gwinner in der Charité einen Besuch ab. Die beiden beraten Union bei der medizinischen Versorgung der Profis, koordinieren zudem die Corona-Testungen im Verein.

Das alleine ist sensationell genug. Und natürlich nahm Oliver Ruhnert bei Sky die Glückwünsche zum Klassenerhalt an, jetzt wo die 40-Punkte-Marke erreicht worden ist. Der allerdings hatte ja schon letztes Wochenende verraten, dass er nur für die Bundesliga plant bei Union. Insofern kamen die Gratulanten des Fernsehsenders ein bisschen zu spät. 

Bayern mit genug Klasse auf dem Platz

Den Punkt in München schmälert auch nicht, dass die Bayern mit einer Art Notelf aufliefen.  Und Entschuldigung, da stand mit Neuer, Müller, Kimmich, Coman – Champions-League-Siegtorschütze –, Boateng und Musiala beim Gegner genug Klasse auf dem Platz. Hic Rhodus, hic salta! Lateinisch für „Hier ist Rhodus, hier springe!“ Diese aus einer Fabel von Äsop stammenden Worte bedeuten sinngemäß so viel, da wo du bist, must du liefern. Die Bayern sprangen nicht weit genug, Union hingen streckte sich! Man muss die Gunst der Stunde nutzen.

Die eigentliche Sensation ist aber, dass Union sechs Spieltage vor Schluss schon 40 Punkte auf dem Konto hat. Das sind neun mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Und eben die berechtigen dazu, weiter von Rang sieben zu träumen. Der könnte für einen Ausflug durch den alten Kontinent langen. Ruhnert und die Truppe haben offenbar Bock darauf.