Die Väter des Siegs gegen Leipzig: Unions Max Kruse und Torwart Andreas Luthe feiern auf dem Balkon des Stadions.
Oliver Behrendt

Wer den Schaden hat ... „Conference League! Hey, ja, was hast du!“, schmetterte Unions Trainer Urs Fischer in den Katakomben der Alten Försterei seinem zum Kabinentrakt eilenden Starstürmer Max Kruse hinterher. Der blieb seiner vor Wochen vorgetragenen Unlust auf diesen neuen Wettbewerb („Keinen Bock“) treu. „Ich bleib zu Hause. Donnerstag kann ich eh nicht“, flachste er zurück.  

Welche Termine schon jetzt  für den 33-Jährigen da jeden Donnerstag unabdingbar sein sollen – die Playoffs steigen ja erst am 19. und 26. August – ist nicht bekannt. Wohl aber, dass der Siegtorschütze gegen Leipzig, der damit erst die Quali für Europa ermöglichte, schon immer ein Mensch war, der seinen eigenen Weg geht. Und getreu dem Motto „work hard, play hard“ war der elffache Torschütze der Köpenicker am Sonntag schon wieder mächtig auf Achse. Wer feste arbeitet, darf eben auch feste feiern. 

Kruse: Erst Impfung, dann Formel 1

Nach erfolgter Corona-Impfung in aller Frühe ging es am Sonntag im Privatjet und per Helikopter nach Monaco.  Der sensationellen Qualifikation für die Conference League mit den Eisernen ließ Unions Europa-Garant einen Kurztrip zu seinem „ersten Formel-1-Rennen“ in den Häuserschluchten von Monte Carlo folgen. 

Warum auch nicht? Schließlich muss das eiserne Feierbiest erst wieder am 28. Juni in der Hauptstadt zum Medizincheck antreten. Und könnte doch den Köpenickern in der Sommervorbereitung wieder abhanden kommen.

Denn der 33-Jährige liebäugelt ja mit den Olympischen Sommerspielen in Tokio. Und hat laut U23-Coach Stefan Kuntz ja durchaus Chancen mit nach Japan zu fliegen. Die Spiele steigen vom 23. Juli bis 8. August. Kruse wäre selbst bei optimalem Turnierverlauf – Finale steigt am 7. August – rechtzeitig zurück für den Ligastart (13. bis 15. August). Aber die erste Runde im DFB-Pokal (6. bis 9. August) würde der gebürtige  Reinbeker verpassen. Und erhebliche Teile der Vorbereitung.

Das, gibt Manager Oliver Ruhnert zu, wird diesmal ein Merkmal der eisernen Pre-Season sein, die sich ja in den drei Spielzeiten unter Urs Fischer immer bemüht hatten, beim Start schon mit voller Kapelle loslegen zu können.  „Es wird ein bisschen anders als in den letzten drei Spielzeiten, wo wir eine große Gruppe recht früh am Start hatten“, so Ruhnert.

Sheraldo Becker beispielsweise ist beim Gold-Cup (10. Juli bis 2. August), Christopher Trimmel (Österreich) und Markus Ingvartsen (Dänemark) wollen die EM spielen (11. Juni bis 11. Juli). Dort ist auch Neuzugang Tymoteusz Puchacz mit Polen im Einsatz. Und hinterher brauchen die Jungs auch noch etwas Urlaub. 

Nicht ganz einfach also. Aber immerhin bei Kruses angekündigter Donnerstags-Schwänzerei glaubt Fischer nicht an große Probleme. „Dafür wird er schon noch Zeit finden“, war sich der Schweizer sicher. Unions Kapitän nahm den exzentrischen Angreifer sogar gleich in die Pflicht. Trimmel: „Er hat immer Bock, Tore zu schießen, und ich hoffe, das wird er auch international tun.“