Urs Fischer, Trainer des 1. FC Union, sitzt fest im Sattel – was man von seinem Stuttgarter Kollegen Pellegrino Matarazzo eher nicht behaupten kann. Beim VfB rumort es. 
Urs Fischer, Trainer des 1. FC Union, sitzt fest im Sattel – was man von seinem Stuttgarter Kollegen Pellegrino Matarazzo eher nicht behaupten kann. Beim VfB rumort es.  Imago/Sven Simon

Steht der 1. FC Union nach dem neunten Spieltag weiter auf dem Platz an der Sonne? Hoffenheim verpasste es, durch das 1:2 am Freitag gegen Bremen zu den Eisernen aufzuschließen. Man könnte sich in Köpenick ja an diese luftigen Höhen gewöhnen. Wozu aber am Sonntag beim VfB Stuttgart (19.30 Uhr, DAZN) ein etwas anderes Auftreten notwendig ist als noch in der Vorwoche beim 0:2 in Frankfurt.

Das weiß Trainer Urs Fischer natürlich. Und er wird sich auch nicht von der Tabellensituation der Württemberger oder vom Geschreibe einiger Gazetten blenden lassen, dass die Partie der Köpenicker bei den Schwaben für deren Trainer Pellegrino Matarazzo schon eine Art Job-Endspiel ist.

Für Fischer wird es einzig und allein darauf ankommen, dass seine Mannschaft alles aus sich herausholt und das Gesicht zeigt, das sie an die Ligaspitze gespült hat. Alles andere ist für den Schweizer Nebensache.

Schießt der 1. FC Union Stuttgarts Trainer Matarazzo ab? 

Logisch, dass der 44-jährige Matarazzo in der Kritik steht. Rang 16, noch kein Sieg in dieser Spielzeit, einen Punkteschnitt von 0,625 Zählern. Alles Indikatoren für einen heißen Abstiegskandidaten. Am Neckar werden auch schon mögliche Nachfolgekandidaten gehandelt. Adi Hütter (zuvor Frankfurt sowie Gladbach) und Sebastian Hoeneß (zuletzt bei Hoffenheim) werden im Ländle gehandelt. 

Mit anderen Worten, der 1. FC Union tritt im einstigen Neckarstadion mal wieder in der ungeliebten Rolle des Favoriten an. Etwas, womit sich die Eisernen zumeist sehr schwertun. In der Vorsaison reisten die Hauptstädter als Tabellenfünfter zum damals auch alles andere als sattelfesten VfB und kamen trotz 1:0-Führung und Überzahlspiel nicht über ein 1:1 hinaus. Der Gegentreffer fiel erst in der dritten Minute der Nachspielzeit einer Partie, die eigentlich nur einen Sieger hätte erleben dürfen. 

Noch verrückter war es in der Spielzeit davor. Damals langte den Eisernen sogar eine 2:0-Führung nicht. Sasa Kalajdzic  hatte was  dagegen. Und wieder fielen die Gegentreffer erst spät (86., 90.+2). Der Frust war groß. Zum Glück ist Kalajdzic inzwischen in England bei den Wolverhampton Wanderers, da aber nach einem Kreuzbandriss gerade in der Reha. 

Der 1. FC Union hat in Stuttgart noch nie gewonnen

Ironischerweise war genau dieses Ergebnis eineinhalb Jahre zuvor ein Quell der Freude für alle, die es mit den Köpenickern hielten. Das 2:2 im Relegationshinspiel öffnete das Tor zur Bundesliga und brachte den Eisernen den steten Hass einiger VfB-Anhänger ein. Dabei hatte selbst deren Idol Christian Gentner in seiner späteren Zeit beim 1. FC Union eingeräumt, dass der Abstieg der Schwaben nicht durch die Relegation entstanden sei, sondern durch die unterirdische Performance im Laufe der Saison. 

2017 wiederum hatten die Schwaben mit einem 3:1 am 30. Zweitligaspieltag den Aufstiegsträumen der Köpenicker einen herben Dämpfer verpasst. Es war also immer was los bei diesen Duellen. 

Und so wird es auch an diesem Sonntag sein, wenn der 1. FC Union mit einem Dreier zu Hannover 96 und dem Karlsruher SC aufschließen will. Denn auch diese beiden Klubs waren in ihrer Geschichte insgesamt viermal Tabellenführer in Deutschlands Eliteklasse. Diesmal sollte man zusehen, dass am Ende nicht wieder alles aus den Händen flutscht ...

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