Michael Parensen im Kopfballduell mit Herthas Vedad Ibisevic. Poolfoto

Was für ein Jahr. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zwölf Monate lang hielten Hertha BSC und der 1. FC Union die Hauptstadt in Atem. Langweilig war echt anders! Hier vier Trainer in einer Spielzeit, Stadtmeisterschaft, Geldsegen von Lars Windhorst, verbunden mit dem Ziel, sich endlich im Konzert der Großen zu etablieren. Dort wackerer Abstiegskampf, vorzeitige Rettung und der Abtritt eines Urgesteins. All das in Zeiten von Corona. Geisterspiele statt begeistertem Publikum. Schön ist anders. Doch am Ende lagen die Hauptstadt-Rivalen in der Tabelle friedlich nebeneinander, getrennt nur durch die Tordifferenz. Das hätten beim Ligastart im August 2019 wohl nur wenige für möglich gehalten. Seit Dienstag lesen Sie im KURIER die großen Serien über Hertha und Union.

Teil 4: Michael Parensen und die die Derbys, eine unendliche Geschichte. Wirklich vom Glück verfolgt war er da nie. In der Saison 2012/13 setzte es zu Hause eine 0:1-Niederlage gegen Hertha, beim 2:2 im Rückspiel zwang ihn eine Lungenentzündung zum Zuschauen. Zwei Jahre zuvor stand er zwar beim allerersten Punktekampf 80 Minuten auf dem Feld, musste aber dem 1:1-Ausgleichstorschützen Santi Kolk weichen, als die Köpenicker aufholen mussten. Den legendären 2:1-Auswärtserfolg im Februar 2011 erlebte Micha nur vier Minuten auf dem Platz, dann ging es nach einem Zusammenstoß mit Peter Niemeyer ins Krankenhaus. Der Fluch setzte sich in der Bundesliga fort. Eine Rippenprellung setzte Parensen im Hinspiel außer Gefecht.

Dann kam Corona. Und das Rückspiel vor einer Geisterkulisse in Charlottenburg. Und Überraschung, Micha überstand die ersten fünf Minuten. "Vielleicht wäre es besser gewesen wenn nicht. Es war von uns allen ja nicht das beste Spiel“, scherzte der eiserne Routinier über den rabenschwarzen Tag, der aus Sicht der Köpenicker mit 0:4 endete.

Eigentlich ein einschneidendes Ereignis, so eine Klatsche im Stadtduell. Aber diesmal? „Ich weiß nicht, ob das jetzt nur mein subjektives Empfinden ist, aber es war so ein bisschen komisch. Wir haben ja diese Resonanz im Stadion nicht bekommen. Wenn man nicht unbedingt Zeitung liest, was ich nach Spielen relativ wenig mache - gerade nach verlorenen Spiele - bekommt man es gar nicht so mit. Und ohne die Fans im Stadion fehlt das unmittelbare Feedback, auch beim Training waren ja keine. Hört sich jetzt ein bisschen doof an, aber gefühlt hat die Niederlage deshalb weniger Leute als sonst interessiert. So ist das zumindest bei uns rübergekommen. Natürlich weiß ich, dass die Fans daran zu knabbern haben, aber uns als Profis hat das ganz gut getan, weil wir das aufgrund der Umstände relativ schnell abhaken konnten. Du hast dann den Vorteil, dass du schnell zur Tagesordnung übergehen kannst“, erinnerte sich Parensen an die Tage danach.

"Herthas Trainerwechsel war auch mal eine gute Entscheidung in dieser Saison"

Corona als Vorteil für Union? "Im Endeffekt kannst du das dann rein sachlich analysieren. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff ist das natürlich anders. Du sitzt dann in der Kabine und denkst: 'Boah wirklich ein gebrauchter Tag'. Wir haben dieses Derbyfeeling an diesem Abend einfach nicht aufbringen können. Herthas Trainerwechsel war ja auch ein guter Move, auch mal eine gute Entscheidung von Hertha in dieser Saison. Für uns war das ein schlechter Zeitpunkt auf sie zu treffen."

Der Unterschied zwischen den beiden Duellen? "Hertha hatte im Rückspiel einfach mehr Selbstvertrauen. Bei uns haben sie ängstlich agiert, überhaupt keine Idee entwickelt. Wenn du denkst du gehst in ein Derby, bist eigentlich der Favorit, weil du der Klub bist, der schon länger in der Bundesliga spielt. Weil du vom Etat von den Einzelspielern her das Spiel an dich reißen musst. Das haben sie aber nicht gemacht. Das hat man den Spielern auch angemerkt, dass sie sehr, sehr passiv waren, mit wenig Selbstbewusstsein gespielt haben und wir ihnen so den Zahn ziehen und sie niederkämpfen konnten.“

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