Michael Parensen beim Waldlauf rund ums Stadion, kurz bevor alle Union-Profis ins Heimtraining geschickt wurden. Matthias Koch

Berlin - Fußball in Zeiten von Corona. Alle sind Verlierer. Fans, Fernsehen, Spieler. Und doch gibt es auch so etwas wie heimliche Gewinner. Im Hause von Michael Parensen sind das die Kids. „Die genießen das schon, dass Mama und Papa jetzt mehr Zeit für sie haben“, meint der Union-Routinier.

„Die Kleine ist ja erst zwei, die kriegt das noch nicht so mit. Aber der Große fragt schon ab und zu nach der Kita. Zum Glück haben wir einen Garten. Da macht er auch bei meinen Fitnessvideos immer mit, die wir vom Verein kriegen. Für uns Erwachsene ist das ein bisschen schwieriger. Man muss schon aufpassen, dass einen nicht die schlechte Laune übermannt“, sagt der 33-Jährige.

Da seine Kids den ganzen Tag lang beschäftigt werden wollen und schon zwischen 6 Uhr und 7 Uhr wach sind, "bin ich abends genauso platt, als wenn ich ganz normal trainieren würde", meinte der gebürtige Bad Driburger mit einem Lachen. 

Michael Parensen zusammen mit seiner Frau Antonia und den beiden Kids auf der Tribüne im Stadion An der Alten Försterei beim Saisonauftakt gegen Leipzig. Foto: imagi images/Matthias Koch

Was ihn diese Tage auf jeden Fall gelehrt haben, ist, all denen, die im erzieherischen Bereich arbeiten, mit noch mehr Respekt zu begegnen. So wie die jeden Tag mit 'ner Rasselbande zu tun haben, das ist keine so einfache Aufgabe. 

Derzeit denkt Parensen nicht viel an Fußball. Auch wenn der ihm fehlt.  Sicher weiß er nur, dass er im Sommer noch nicht aufhören möchte. Wie es weitergeht – abwarten. „Auch wenn mein Vertrag ausläuft, mache ich mir da derzeit keine so großen Gedanken. Derzeit haben andere Dinge Priorität. Und ich denke, ich bin insgesamt so gut aufgestellt, dass ich mir über meine Zukunft keine so großen Sorgen machen muss“, findet Unions Defensiv-Allrounder.

Micha hofft auf sein Derby-Happy End

Dass er vielleicht nie wieder das Union-Trikot tragen wird, ist ihm bewusst. „Ich kann es ja einfach so überziehen. Erinnerungen habe ich auch so genug“, witzelt der ewige Micha.

Er möchte eigentlich nur, dass die Saison ordnungsgemäß zu Ende gebracht werden kann. „Man sollte Union nicht dieses erste Bundesligajahr nehmen“, so seine Einstellung. Im Mai soll es wohl weitergehen. „Mal sehen, ob das so kommt“, plädiert er für ein Abwarten. Und auch für Geisterspiele hat er in dieser Ausnahmesituation Verständnis. Selbst wenn das gerade für seine Eisernen einen Wettbewebsnachteil bedeutet. "Wir leben ja ganz erheblich von unserer Atmosphäre und der Tatsache, dass andere Klubs die Stimung in der Alten Försterei nicht so kennen", meinte Parensen.

Dabei dachte er dieser Tage auch an seinen persönlichen Derbyfluch. In keiner Partie gegen Hertha war er wirklich dabei. Entweder er war sowieso verletzt. Oder aber, wie beim 2:1-Sieg der Eisernen im Oympiastadion im Februar 2011 ereilte ihn der Knockout so früh im Spiel, dass er nichts wirklich von der Partie mitbekam und im Krankenhus war schlecht feiern. War auch diese Spielzeit wieder der Fall. In der Hinrunde beim 1:0 durch den Last-Minute-Elfmeter von Sebastian Polter verhinderte eine Rippenprellung seinen Einsatz. Das Rückspiel fiel dann Corona zum Opfer. Parensen augenzwinkernd: „Ich hoffe ja immer noch auf ein Happy End. Und wenn nicht, habe ich später immer was zu erzählen.“