Manuel Schmiedebach und Michael Parensen warten beim letzten Saisonspiel gegen Düsseldorf darauf, dass sie noch zum Zuge kommen können. Foto: Matthias Koch

Elf Freunde müsst ihr sein, heißt es im Volksmund. Elf Kerle standen da bei Union in dieser Spielzeit fast immer auf dem Platz. Platz elf war der Lohn. Und was liegt da näher als in einer kleinen KURIER-Serie die elfte Spielzeit der Eisernen im Profizirkus aus dem Blickwinkel desjenigen ein wenig näher zu beleuchten, der die Eisernen nach über elf Jahren nun verlässt. Also rein sportlich gesehen. Eben der „ewige Micha“ Parensen. Heute Teil 6: Mein letztes Mal

Sonnabend, 27. Juni 2020, 17.09 Uhr: Es war der Moment, als Michael Parensen zu seinem neunten und letzten Bundesligaspiel eingewechselt wurde. Ein Moment, in dem sich unter normalen Umstände die Alte Försterei in ein Tollhaus verwandelt hätte, das jeden Flugzeugträger aufgrund des Lärmpegels hätte neidisch werden lassen.

Diesmal blieb alles ruhig. Auch Nina Hagens von den Fans für Parensen umgedichtetes „Du hast den Farbfilm vergessen“ erscholl nicht von den Rängen. Was ging dem 34-Jährigen durch den Kopf, als alles auf das Ende zusteuerte?

„Ich habe mich natürlich gefreut, noch mal spielen zu dürfen. Aber auch das war ja ohne Fans. Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn ich nicht ein letztes Mal rangedurft hätte. Am Ende wäre es aber vielleicht nicht so dramatisch gewesen. Es war ja niemand da. Natürlich haben die Leute das Spiel im Fernsehen gesehen. Aber die Reaktion kommt halt nicht bis zu dir. Ich habe dann nichts davon. Ich fühle das nicht so, als wenn da 20.000 Menschen im Stadion sind und sich freuen, dass ich noch mal spiele. Deswegen muss ich sagen: Es ist zwar sehr schade, dass es jetzt so zu Ende geht. Aber deswegen hatte ich jetzt nicht so emotionale Gefühle“, sagte Parensen im Podcast von Plattsport.de.

Ein wenig sentimentaler wurde ihm dann aber doch zumute. Das sei dann eher nach dem Spiel der Fall gewesen, „wenn man sich bei dem einen oder anderen verabschiedet hat. Wenn man sich bei denen bedankt hat, mit denen man viele Jahre zusammengearbeitet hat. Manches Revue passieren ließ. Aber im Spiel hat das Entscheidende gefehlt: die Zuschauer eben“, meint der Mittelfeldspieler.

Der 34-Jährige ist nicht darauf erpicht, das irgendwie nachzuholen, irgendwann noch ein eigenes Abschiedsspiel zu kriegen. „Ich bin kein Riesenfan davon, ich sehe den großen Sinn nicht darin“, sagt Parensen, der all die Jahre mit seiner typisch unprätentiösen Art aufgefallen ist.

Ein klein wenig mehr Pathos enthielt dann aber seine Abschiedsbotschaft über Twitter an den Union-Anhang: „Es war mir eine Riesenehre für euch zu spielen, für euren Verein zu spielen. Denn ihr seid die, die den Verein zu dem machen, was er ist. Deshalb wünsche ich euch viel Kraft für die noch anstehenden harte Zeit, die ihr noch nicht ins Stadion kommen dürft. Bliebt weiter so, wie ihr seid, bleibt kritisch, bleibt leidenschaftlich, bleibt verrückt und wenn ihr dann wieder ins Stadion gehen dürft, dann reißt richtig was ab, um die Jungs, auf dem Platz zu unterstützen, damit sie auch im nächsten Jahr wieder ihr großes Ziel erreichen können.“

- Teil 6 und Schluss -