Max Kruse  spricht bei Af.tv über seine bewegte Vergangenheit.  Foto: Imago/Matthias Koch

Sonntag, 13.30 Uhr. Union gegen Hoffenheim. So etwas wie der Lieblingsgegner von Max Kruse. Zumindest die nackten Zahlen sprechen dafür.  Acht Buden hat er gegen die TSG schon erzielt. So viel wie gegen keinen anderen Bundesligaklub. Gegen einen neunten Treffer am Sonntag hätte von Unionseite sicherlich keiner was einzuwenden.  Beim Klub-Sender Af.tv stellte sich der sonst immer so medienscheue 32-Jährige den Fragen von Union-Mitarbeiterin Katharina Brendel. Heraus kam ein sehr launiges Interview, das auch im Programmheft zum Spiel gegen die Kraichgauer nachzulesen ist. Lesen Sie mal, was Kruse  zu sagen hat. Max Kruse über ...

... seinen vollständigen Namen: Eigentlich heiße ich Max Bennet Kruse. Aber nur meine Mutter sagt das, wenn sie sauer auf mich ist, aber sonst eigentlich niemand.

... seine Heimat: Ich sage immer, ich bin aus Hamburg, belassen wir es auch dabei. Für mich gehört Reinbek zu Hamburg.  Ich bin da aufgewachsen, meine Familie hat da eigentlich die ganze Zeit meines Lebens verbracht. Ein Haus abgerissen, ein neues gebaut.  Ich verbinde damit Familie und Freunde. Mein bester Freund kommt auch aus der Stadt, und deswegen ist das schon Heimat. Berlin ist meine Wahlheimat, sagen wir es so. Ich fühle mich hier wohl, habe schnell Anschluss gefunden, das ist ja beim Fußball immer recht einfach, weil man mit den Teamkollegen viel zusammen ist. Und hier wurde es mir besonders leichtgemacht. Grundsätzlich bin ich ja ein Typ, der schnell Anschluss findet und große Städte mag, von daher kann mir Berlin da auch viel bieten

... seinen Durchbruch: Ich war mir eigentlich immer sicher, dass ich es schaffe. Aber so wirklich sicher, dass ich es geschafft habe, war ich in der Zeit in Freiburg, würde ich sagen. Ich bin ja als junger Kerl, der erst ein Bundesliga-Jahr hinter sich hatte und nicht oft von Anfang an gespielt hat, nach Freiburg gegangen, und da lief es dann so gut, dass ich direkt nach einem Jahr wieder gegangen bin und auch Nationalspieler geworden bin. Das war wohl der Punkt, an dem ich gesehen habe, dass ich den Anschluss im Profifußball gefunden habe.

... über Selbstzweifel: Überzeugt war ich immer von mir. Aber es gab einen Punkt, an dem ich gesehen habe, dass Talent alleine vielleicht nicht ausreicht. Ich war nicht immer der Motivierteste, aber es ist auch nicht so, dass ich wenig dafür getan habe. Ich habe in meiner Jugend schon viel dafür getan, dahin zu kommen, wo ich jetzt auch bin. Der Punkt war einfach die Zeit, als wir mit St. Pauli abgestiegen sind aus der 1. Bundesliga und ich gedacht habe, dass dann eigentlich Angebote aus der ersten Liga kommen müssten, was letztlich aber nicht so war. Da dachte ich schon, dass etwas nicht stimmt und ich ein bisschen mehr an mir arbeiten müsste, damit ich es schaffe. ...

... seine größte Enttäuschung: Das war für die WM-Nominierung 2014. Zwei Abende vor der Bekanntgabe des erweiterten Kaders habe ich einen Anruf bekommen, dass mit mir gedreht werden soll für die Videos, die ja mit allen Spielern gemacht werden, auch für die, die eventuell nicht mitfahren. Aber am nächsten Tag hat der Bundestrainer mich angerufen und mir gesagt, dass ich doch nicht mit dabei bin. Ich weiß nicht, was seine Meinung da geändert hat, aber das ist Vergangenheit. Das kann man nicht mehr rückgängig machen. Ich war an dem Abend in Freiburg, da habe ich ja eigentlich schon in Gladbach gespielt. Da war ich mit meiner besten Freundin essen und danach war erstmal ein bisschen Leere. - Ein bisschen mehr Leere. Ich wollte eigentlich erst am nächsten Tag zurückfahren, bin dann aber noch an dem Abend die fünf Stunden nach Düsseldorf gefahren, wo ich gewohnt habe, und habe niemand angerufen. Ich kann mich auch an die Fahrt nicht mehr erinnern. Danach waren es noch ein oder zwei Tage, an denen es scheiße war, aber danach war es dann eigentlich wieder alles normal.

... die Situation heute: Da muss schon ein bisschen mehr von Löw passieren. Er springt ja auch bei Thomas Müller usw. nicht über seinen Schatten bis jetzt. Ich war ja nach der WM noch mal dabei für anderthalb Jahre, bis vor der EM ... - also Welt- oder Europameisterschaften will er mir wohl nicht geben, keine Ahnung. Aber natürlich wäre ich nicht abgeneigt. Wenn ich für Deutschland spielen kann, dann würde ich das tun.

... Pläne nach der Karriere: Da bräuchte ich wohl einen Fünf-Jahres-Plan, den ich eigentlich nie habe. Einen Fünf-Tages-Plan habe ich immer. Büro ist nicht so meins. Mein Vater hat zum Beispiel eine Paletten-Firma, aber ich glaube, das wäre eher nichts für mich. Eher Fußball, davon habe ich Ahnung. Bundestrainer kann ich doch werden, oder? Ich will auf jeden Fall wieder etwas mit Fußball machen, aber ich weiß nicht, ob es Trainer ist, was ich mir aktuell schwer vorstellen kann, weil es dann ein ähnlicher Tagesablauf wäre, wie gerade auch, und den habe ich nach meiner Karriere ja auch vielleicht mal irgendwann satt.

Das Badge auf der Brust, aber bei der WM 2014 nicht dabei. Aber Max Kruse würde gerne wieder von Jogi Löw (r.) berufen werden. Auch wenn er nicht so recht daran glaubt.  Foto: Imago/ActionPictures

... die Schule: Ich habe in der Schule ab und zu aufgepasst, aber nicht so akribisch gearbeitet, und viele Lehrer haben dann gefragt, was aus mir bloß werden soll. Da habe ich immer gesagt: Macht euch keine Sorgen, ich werde sowieso Fußball-Profi.

... seine Leidenschaften abseits des grünen Rasens: Ich möchte auch mein Motorsport-Rennteam weiter voranbringen, will 24-Stunden-Rennen fahren. Dann kommt noch meine Poker-Leidenschaft dazu, das sind aber alles so Dinge, die sind alle keine seriösen Jobs.

... seine Erfahrungen  mit Tieren:  Da war ich noch sehr jung. Ich wollte mit dem Dackel spielen, wie man mit Hunden eben spielen will. Aber er hat mir irgendwie nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt und dann bin ich unter den Tisch gekrabbelt, habe ihn am Schwanz gezogen, was er nicht so lustig fand. Er hat sich nur umgedreht und mir ein halbes Ohr abgebissen. Ist ja aber wieder angewachsen, und ich weiß gar nicht, ob es rechts oder links war. Bei der Geschichte mit dem Schwein waren wir auf einem Bauernhof, und normalerweise gibt man den Schweinen ja auch was zu fressen, aber ich hatte nichts dabei, aber meine Hände in den Taschen. Das fanden die Schweine auch nicht so lustig, und da hat mir dann eins der Schweine in den Arsch gebissen. Aber an mehr kann ich mich da gar nicht mehr erinnern.